Die Liebe und die Angst

Eines Tages trafen sich die Liebe und die Angst.

Auf der Stelle verliebten sie sich ineinander. Voller Freude stand die Liebe vor der Angst und sagte:

„Ich liebe dich von ganzem Herzen!“

Die Angst freute sich sehr darüber und antwortete:

„Ich liebe dich auch!“

Plötzlich hielt die Angst inne, überlegte einen Augenblick und sagte:

„Dass ich dich liebe, weiss ich, aber ob du mich wirklich liebst, das weiss ich nicht.“

„Glaube mir“, sagte die Liebe sanft, „ich liebe dich wirklich!“

„Das würde ich nur zu gern, doch woher soll ich wissen, dass du es ernst meinst?“

 

„Na, weil ich es dir sage !“

„Sagen kann man viel“, entgegnete die Angst und überlegte, dass sie schon oft erlebt hatte, dass jemand etwas sagte und es nicht wirklich meinte.

„Weisst du, meine Liebe, ich bin der Meinung, ich kann es nur durch das, was du tust wirklich wissen, ich meine, das wäre dann ein Beweis !“

„Nun ja, wenn das deine Meinung ist, was soll ich denn für dich tun, damit du mir glauben kannst?“

Und in der nun folgenden Zeit sagte die Angst der Liebe jeden Tag auf`s Neue, was sie denn tun sollte, um zu beweisen, dass sie die Angst wirklich liebte. Alles Mögliche fiel der Angst ein, und die Wünsche wurden immer ausgefallener. Im Grunde verlangte die Angst von der Liebe Dinge, die für Sich-Liebende nicht üblich waren.

Am Anfang ging die Liebe mit sehr viel Elan an die Sache. Sie liebte die Angst so sehr, dass sie selbst die absurdesten Sachen machte, ja, sie ließ sich sogar von der Angst beschimpfen, beleidigen und so schlecht behandeln, dass sie beinah den Eindruck hätte gewinnen können, dass die Angst sie gar nicht liebte.

Immer dann, wenn die Liebe solche Gedanken hatte, verwarf sie diese sofort wieder und erinnerte sich daran, dass sie die Angst ja liebte und nur deshalb alles ertrug.

Nach einer langen Zeit bemerkte die Liebe, dass sie immer müder wurde.
Es war wirklich sehr anstrengend, immer wieder einen Beweis antreten zu müssen. Sie fragte sich immer häufiger, ob sie überhaupt noch etwas tun sollte.

Irgendwie hatte sie gehofft, dass die Angst sehr schnell bemerken würde, dass sie es ernst meinte, doch nun . . . war schon so viel Zeit vergangen.

Und langsam bekam die Liebe . . . Angst . . . ohne dass sie es selbst bemerkte.

Doch da war noch etwas Anderes, das eigentlich nichts mit der Liebe zu tun hatte: Die Liebe fühlte eine grässliche Wut ! Die süße Liebe war mit der Zeit richtig sauer geworden.

Eines Tages gab es den entscheidenden Moment. Tatsächlich hatte die Angst etwas getan, das selbst die Liebe, nicht mehr ertragen konnte und wollte.

Die Liebe weinte bitterlich und war zutiefst erschüttert, alles hatte sie getan, jeden Beweis hatte sie angetreten . . . und nun das ! Womit hatte sie das verdient? Wie konnte die Angst so grausam sein?

Als die Liebe sich ein wenig erholt hatte, stellte sie die Angst zur Rede:

„Warum hast du das getan? Erkläre es mir!“

Die Angst musste gar nicht lange überlegen und antwortete:

„Am Anfang dachte ich wirklich, ich müsste einen Beweis von dir haben, der mich davon überzeugt, dass du mich wirklich liebst. Ich habe an dir Dinge getan, die ich selbst niemals ertragen hätte !

Mit der Zeit fragte ich ich mich, wie das Alles zu verstehen sei? Ich fragte dich nach all den Vorfällen, liebst du mich noch . . . und du hast immer wieder ‘Ja’ gesagt. Zuerst hatte ich mächtigen Respekt vor deiner Stärke, doch dann fragte ich mich, wie weit ich wohl gehen könnte . . . und probierte es aus.

Es war sehr anstrengend für mich, dich all die Zeit herauszufordern ! Mir fiel irgendwann schon nichts mehr ein, egal, was ich auch tat, nie hatte es wirklich Konsequenzen ! Immer wieder hörte ich dir zu, wenn du mir erzählt hast, warum ich mich für dich, die Liebe, ganz und gar entscheiden sollte, doch irgendwann hatte ich im Laufe der Zeit. . . die Achtung vor dir, meine Liebe, verloren !

Ich beobachtete dich und überlegte mir, wenn das Liebe ist . . . Alles ertragen, Traurigkeit, Ohnmacht . . . . warum sollte ich mich für s o e t w a s entscheiden?

Ich dachte du würdest mir zeigen, WIE die Liebe ist . . . stark, eindeutig !
Ich glaubte durch dich könnte ich erfahren, wie ich mich selbst überwinden
kann ! Ich habe so sehr gehofft, dass du eines Tages einfach aufstehst und NEIN zu mir sagst ! Dass du mir nicht nur sagst, dass du , die Liebe, die Einzige bist, die das Leben erhält, sondern mir zeigst, wie die Liebe geht ! . . . . . . oh, schöner doppelter Sinn ! Meine Güte, dann hätte ich Achtung vor dir gehabt ! Dann hätte ich gewusst, dass ich mich auf dich verlassen kann und dass du es auch meinst, wenn du sagst „Die Liebe ist stark !“

Doch statt dessen? Schau dich doch selbst an ! Vor lauter Angst,
mich zu verlieren, ist aus dir, meine Liebe, die Angst geworden …
und DAS . . . bin ich schon selbst !

Als ich das verstanden hatte, war mir bewusst, dass ich keinen Grund mehr fand, DICH zu lieben ! Du bist heute das Gegenteil dessen, was ich am Anfang . . . in dir zu sehen glaubte.“

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Danke an Karin Sarbach, die diesen Text geschrieben und mir erlaubt hat, ihn mit euch zu teilen!

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