Kommunikation Liebeskummer

Fehler unser … Machen Erwartungen Druck?

Selbstbewusstsein und fremde Sichtweisen

Oder: Herzschmerz aufgrund unterschiedlicher Erwartungshaltungen

John sagt beim ersten Wiedersehen, dass er frisch getrennt ist. Nicht weiß, ob er bereit für eine Beziehung ist. Was er überhaupt vom Leben gerade möchte. Kann ich verstehen, solche Phasen hatten wir alle schon mal. Ich habe Interesse an John, klar, sonst wäre ich nicht da. Und würde erst recht nicht immer wiederkommen in den nächsten Tagen, was ich tue. Nach einiger Zeit kommt die Frage von John, was ich mir eigentlich erwarte.

Mir ist klar: wir könnten ein feines Paar werden. Nachdem wir uns erst ein paar Tage kennen, weiß ich noch nicht, ob das auch tatsächlich lebbar wäre und wie die Emotionen sich entwickeln. Grundsätzlich bin ich durchaus bereit, zu investieren und dem Ganzen auch Raum zu lassen. Also formuliere ich etwas wie „ich würde gerne eine nette Zeit verbringen und schaun was draus wird. Ich habe jetzt keine großen Erwartungen daran.“

Tage später erlebe ich aber einen entnervten John: Du hast gesagt, du hast keine großen Erwartungen, aber ich spüre, dass du mehr willst. Warum sagst du nicht einfach, was du dir denkst. Kenne ich dich tatsächlich besser als du dich selbst kennst?

Puh! John sagt also, ich will mehr als ich gesagt habe. Und ich sage nicht, was ich mir denke. Ich sei so verkopft und kenne mich selbst nicht. Und ich beginne zu zweifeln. Ist das wirklich so? Also bis jetzt dachte ich ja immer, dass ich ganz gut meine Ansichten äußern und vermitteln kann. Aber, hm, naja, aus seiner Sicht betrachtet könnte er schon recht haben. Ich habe ja nicht wortwörtlich gesagt „ich will mit dir zusammen sein“. Das könnte für Mann schon zu uneindeutig gewesen sein. Und hab ich das tatsächlich nicht gesagt, weil ich gar nicht weiß, was ich will? Oder aus Angst, ihn zu sehr zu drängen, was mich wieder als völlig verkopfte Frau oder gar unehrlich dastehen läßt? *grübel

 

Warum ich mich hier oute, hat vor allem einen Grund: was ich hier erzähle ist allein in der letzten Woche in ähnlicher Weise auch zwei Klientinnen und einer meiner engsten Freundinnen passiert. Ich weiß nicht, wie das bei Männern ist (bitte um Info!!), aber das ist eine Verhaltensweise, die ich besonders bei Frauen immer wieder beobachte: Wir versuchen nur allzugerne eine Aussage unseres Gegenübers in unser Weltbild einzfügen. Wir setzen die andere Brille auf, betrachten uns dadurch und kommen zu dem Punkt „Oh tatsächlich, du hast ja recht!“ Und schwupps, schon ist der Fehler unser. Ob das unser Wunsch nach Harmonie, die Suche nach Verständnis oä ist, kann ich nicht sagen, tut auch eher weniger zur Sache.

Grundsätzlich ist es eine tolle Fähigkeit auch mal andere Sichtweisen einzunehmen, immerhin ist das eine der besten Gelegenheiten, um etwas über sich zu lernen. Nur was passiert, wenn wir vergessen diese Brille auch wieder abzunehmen? Und auf unsere eigene Weisheit vergessen?

Dann übernehmen wir fremde Sichtweisen, die noch dazu nicht gerade freundlich auf uns schauen. Wir vergessen, dass es vor John auch eine andere Realität für uns gab. ZB eine, in der wir normalerweise ohne große Missverständnisse kommunzieren. In der uns Menschen freundlich begegnen und in der wir und andere uns grundsätzlich für ziemlich ok halten. 🙂 Wir schauen dann plötzlich mit dem gleichen kritischen Blick auf uns selbst und finden uns vielleicht gar nicht mehr so ok wie wir dachten.

Aber mal ehrlich: wenn das Fremdbild so dermaßen wenig mit dem Selbstbild übereinstimmt, dann könnte es eventuell auch an etwas ganz anderem liegen, oder? Nehmen wir die Brille also ab:

Hab ich tatsächlich nicht gesagt, was ich mir gedacht habe? Doch das habe ich. Ich wollte eine nette Zeit haben, ich wollte definitiv keine Beziehungsdebatten führen und ich wollte sehen, wohin uns das führt, ohne große Erwartungen. „Große Erwartungen“ sind für mich nämlich eine gemeinsame Wohnung, Kinder, Heirat – eine gemeinsame Zukunft.

Wenn jetzt aber für John schon allein schon der Anspruch, dass sich möglicherweise eine Beziehung entwickelt, ein großer Anspruch ist – dann habe ich weder falsch kommuniziert oder verkopft reagiert oder was auch immer. Ich bin völlig in Ordnung. Wir haben simpel andere Vorstellungen darüber, was das Wort „ERWARTUNGEN“ bedeutet.

Mehr zur Frage von hohen Erwartungen erfährst du auch in diesem Text!

3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Tut gut daran erinnert zu werden, dass es anderen auch so geht. Als ich den Beitrag las, dachte ich „Die Brille des anderen aufsetzen können – eine Fähigkeit. Sie einfach so übernehmen und zur eigenen machen – ein Fehler. Sie ein bisschen mit sich rumtragen und ab und zu aufsetzen, um sie dann zurückzugeben – ein Weg um zu wachsen.“

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Na weil du dezidiert um Männer-Meinung gefragt hast, und ich zu der Gattung dazu gehöre:

1. Behauptung: Männer können im Normalfall nicht sonderlich gut mit Emotionen umgehen. Haben sie nicht gelernt – Indianer kennt keinen Schmerz, echte Männer weinen nicht und so.

2. Behauptung: Kommunikation ist die Informationsübe rtragung von Sender zu Empfänger. Du sendest etwas aus, er interpretiert dieses etwas durch seinen eigenen, individuellen Filter. Er kann nicht wissen, was du willst und fühlst und denkst. Er kann nur sagen, was es in ihm auslöst. Er kann zwar genau das interpretieren, was du fühlst, aber die Wahrscheinlichk eit eines Treffers liegt sicher nicht über 50 Prozent.

Conclusio: Wahrscheinlich sagt sein Verhalten weniger über deine wahren Wünsche aus, als über seine wahren Ängste. Und da Männer nie schuld haben, liegt es an dir.
Wahrscheinlich, oder so….

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der satz „ich habe jetzt keine großen Erwartungen daran.“ klingt in meinen männlichen ohren nicht nach – „ich will das zarte Pflänzchen nicht gleich mit meinem Hunger und Übereifer zertrampeln“ – sondern eher nach „ich glaube nicht dass das was wird… ich lass mal sodahin rennen“ das kann enorm wehtun ….

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