Lust auf Leuchten

Falls du aus Wien bist: kennst du das riesige Kristall-Leuchten-Geschäft am Währinger Gürtel? Seit ich denken kann ist dieses Geschäft da und jedes Mal vorbeifahren war schon immer für mich ein „boah-Erlebnis“ – da funkelt und glitzert es in den Auslagen und ich hab mir immer so einen schönen Kristall-Luster gewunschen.

Vor einigen Jahren habe ich zufällig dann den Besitzer Michael Maresch kennen gelernt und mit der Zeit ist daraus eine Freundschaft entstanden. Ich war oft bei ihm im Geschäft auf einen Kaffee, wollte natürlich noch immer einen „Maresch-Luster“ haben, allerdings hab ich dann die Preise gesehen und gedacht, ok das wird wohl noch ein wenig dauern. ;-)

Damals hat meine Mutter noch in einem Second-Hand-Geschäft gearbeitet und dabei eines Tages einen alten Luster zum Verkauf übernommen. Allerdings haben sie das Gewicht des Lusters unterschätzt und in der Nacht riß die Aufhängung und er krachte am Boden. Einige Steine splitterten, das Blech war verbogen, die Lampen natürlich kaputt usw. Meine Mutter bat mich damals, ob ich nicht die Steine wenigstens zu meinem Freund bringen wolle, vielleicht könne er ja was damit anfangen.

Ich konnte mir das beim besten Willen nicht vorstellen. Der Luster sah aus wie billiges Blech, das verdreckt, angelaufen und stumpf geworden war, das Modell war außerdem völlig abseits der üblichen Vorstellungen von einem Luster. Außerdem war es vom Aufprall verbogen. Die Steine waren bestimmt aus Plastik, insgesamt hatte ich den Eindruck, es sei ein uralter billiger Leuchter. Aber was tut man nicht alles als gute Tochter! ;-)

Du willst deinen Liebeskummer endlich angehen? Dann hole dir hier den kostenlosen SOS-Liebeskummer-Kurs:

Also packte ich den gesamten Schrott in eine Schachtel und fuhr los. Ich war noch nicht mal bei der Tür drin, da lachte mir Michael schon entgegen: „Das ist ja ein Maresch-Luster!“ Es stellte sich heraus, dass es eines der ersten Modelle, das sein Vater entworfen und produziert hatte, war. Und damit war natürlich eins klar – dieser Luster wird meiner!

Also bat ich Michael, mir doch den Luster zu restaurieren, doch er lehnte ab: „Bine, wenn ich den Luster restauriere, kannst es dir nicht leisten, da kannst dir gleich einen Neuen kaufen. Aber ich kann dir zeigen, wie du das machst – und wennst es gut machst, dann lackier ich ihn dir zum Schluss.“

 

Er erklärte mir, wie ich das alte Blech mit einem weichen Radiergummi säubern und die Steine waschen konnte. Ich schleppte den (im übrigen echt schweren) Luster wieder heim und begann mein Projekt. Eine Woche lang hatte ich jedes einzelne Teil von dem Leuchter auf meinem Boden im Wohnzimmer liegen. Jeder Stein war mit einem Häkchen zum nächsten Stein verbunden und dann erst auf dem Luster angebracht. Das galt es alles auseinander zu nehmen, zu säubern und nichts zu verlieren, und beim aufbiegen der Häkchen hab ich mir nicht nur einmal die Finger blutig gestochen. Das Härteste aber war das Blech. Es war schwer, unhandlich, ich hab mir die Finger wund gerieben und mich hie und da auch geschnitten. Blut, Schweiß und Tränen (der Verzweiflung zwischendurch ;-) ) sind in diesen Luster gelaufen.

Nach 1 Woche war ich fertig – und zufrieden. Der Luster sah nicht wie neu aus, würde er vermutlich auch nie, aber ich hatte mein Bestes gegeben. Ich brachte den Luster zu Maresch, der mich ein paar Tage später wieder hinbestellte. Und dann blieb mir die Luft weg: das Gestell hing in der Werkstatt und sah aus wie neu. Das Blech wieder gerade, alles extra noch mal poliert und frisch lackiert. Er hatte den Korpus komplett restauriert, wie ich es nie geschafft hätte.

Aber er war immer noch der Maresch – also hatte er mir die Steine natürlich nicht aufhängt. Er drückte mir die Steine in die Hand und ließ mich dann selber wieder jedes einzelne Häkchen einfädeln, zubiegen (wieder blutige Finger!) zum nächsten Stein verbinden, am Gestell einfädeln und anbringen. Ich stand noch einmal stundenlang und takelte auf. Es gibt keinen Millimeter an diesem Luster, den ich nicht in der Hand hatte. Keine andere Leuchte wird jemals diesen Stellenwert für mich haben.

Ich habe lang überlegt, was ich gern mit dieser Geschichte mitgeben möchte. Die Wahrheit ist, dass die „Lehren“ die ich daraus gezogen habe, sehr vielfältig sind… Hier vielleicht ein paar Ideen dazu:

  • Echte Freunde nehmen dir nicht alles ab, sondern zeigen dir den Weg.
  • Sie helfen dir aber gern beim letzten Stück des Weges über die schwierigste Stelle hinweg.
  • Kein gekaufter Luster könnte mir jemals diese „Geschichte“ ersetzen. 

 

Was auch immer Du mit Blut, Schweiß und Tränen erschaffen hast – es wird Dich ein Leben begleiten und Dir Kraft geben!

 

Und für alle, denen ich mit dieser Geschichte Lust auf Leuchten gemacht habe:

www.viennacrystal.com

Fragt doch nach dem Herrn Maresch und richtet ihm einen schönen Gruß von mir aus! ;-)

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

Danke für diese Zeilen. Es steckt soviel Wahrheit drin.
Tatsächlich verstehen und begreifen tut man es erst, wenn man es selbst erlebt hat.

Lieben Gruß
Tina

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü

Du brauchst Hilfe?

Dann nimm hier an meinem kostenlosen Kurs SOS-Liebeskummer teil!

100% spamfrei und direkt in dein Mailpostfach

*: Mit einem Klick auf den Button trägst du dich meinen Newsletter ein und startest mit dem 7tägigen Erste-Hilfe-Kurs bei Liebeskummer. Danach erhältst du weiterhin max. 2 monatliche Updates zu neuen Artikeln und Aktionen rund um Beziehungsthemen. Du kannst dich am Ende jeder Mail mit einem Klick abmelden. Weitere Informationen erhältst du in meiner Datenschutzerklärung, die du mit Klick auf den Button akzeptierst. 

x

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Hier kommst du zu meiner Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen