Mein Mann hat einen Kurschatten – was jetzt?

Kürzlich hat mich eine Leserin gebeten, doch einmal etwas zum Thema Kurschatten zu schreiben und ich dachte erst mal, hey – das interessiert doch sicher kaum jemanden, oder? Doch weit gefehlt – laut Google wird der Begriff Kurschatten aktuell über 3.000 mal monatlich gesucht. Und tatsächlich war das auch nicht die erste Anfrage zu dem Thema und je länger ich mich damit befasst habe, desto mehr wurde mir klar – Kurschatten ist wirklich ein spezielles Thema, und sogar ziemlich interessant. Denn je mehr ich gelesen habe, desto mehr wurde mir klar – es ist fast immer das gleiche Schema. F leider. Und das heißt selten etwas Gutes.

Liebe anonym bleiben wollende Leserin, der heutige Artikel ist also für dich – und natürlich alle anderen da draußen. Ich bin mir nur nicht so sicher, ob er dir gefallen wird. Bevor wir uns nämlich mit dem Kurschatten selbst befassen, lass uns doch mal damit beginnen:

Typische Fehlannahmen wenn der Partner auf Kur geht

1. Fehler – Du glaubst danach ist wieder alles wie Früher. Oder besser gesagt: ER.

Was ich immer wieder erlebe wenn ein Partner auf Kur geht, ist dass der daheim bleibende Partner irgendwie glaubt, der Partner geht jetzt auf Kur (endlich!) und kommt körperlich und oder psychisch gesund zurück. Und dann ist endlich wieder alles wie früher. Und zwar so wie ganz früher, weil es war in letzter Zeit schon länger nicht so richtig toll und das lag bestimmt auch an der Krankheit des Partners.

Und ich mache es jetzt konkret, denn ich schreibe hier für und zu DIR!

Natürlich hat diese Krankheit eure Beziehung belastet, es war nicht immer so einfach und hat auch dir einiges abverlangt. Und vielleicht warst du auch schon genervt und nicht immer die freundlichste und ihr hattet öfter Streit als notwendig. All diese Dinge, die eben mit einer längerdauernden Krankheit einhergehen. Also ist die Rechnung wie folgt: Krankheit weg = Beziehung wieder in Ordnung. Und  dann fällst du aus allen Wolken, weil dein Partner zwar halbwegs gesund aber auch sonst völlig verändert aus der Kur zurück kommt.

Schlimmer noch, er kommt vielleicht aus der Kur zurück und hatte vielleicht nicht einmal einen Kurschatten, aber dafür sonst so einige Erkenntnisse die eure Beziehung betreffen. Und auf einmal ist dieser Mann, von dem du gehofft hast, dass er gesund zurück kommt, wieder daheim und spricht von Beziehungsproblemen. Davon, dass die Beziehung ihn vielleicht sogar in die Krankheit getrieben hat. Dass er viel erkannt hat und auch an eurer Beziehung gearbeitet werden muss. Hilfe, aus welchem Eck kommt das denn? So mancher Frau wäre da lieber, er hätte kurzfristig nen Kurschatten gehabt als sich jetzt mit einem drohenden Beziehungsende auseinander zu setzen.

Was dabei immer vergessen wird:

Entwicklung geht nie rückwärts. Entwicklung geht nur vorwärts.

Eine Kur ist keine Umerziehungsanstalt in der ausschließlich die Krankheit behandelt wird und alles andere an seinem Platz belassen wird. Das ist schon bei körperlichen Reha-Maßnahmen nicht anzunehmen, ganz sicher aber nicht bei psychischen Krankheiten und Entzugskuren, dort kann ich das praktisch durchgängig ausschließen.

Eine Krankheit entsteht und betrifft immer ein ganzes System. Sie macht auch etwas mit DIR.

Und das bringt mich gleich zum nächsten Punkt.

2. Fehler – keine eigene Entwicklung während der Kur

Wenn du also glaubst, dass die Krankheit deines Partners dich nicht betrifft, schau lieber noch mal genau hin. Wo sind hier deine eigenen Schatten die du vielleicht nicht wahrhaben möchtest? Auch wenn du die Hoffnung hast, dass dein Partner aus der Reha zurück kommt und dann ist wieder alles so wie in der Anfangszeit – dann versuch bitte mal einen Schritt zurück zu nehmen und eure gemeinsame Situation in den letzten Monaten von außen mit etwas Abstand zu betrachten.

Vergiß bitte nie – dein Partner hat in der Kur ein geballtes Therapie-Programm. Fast alle körperlichen Rehas bieten auch eine begleitende Psychotherapie zumindest im Kleinstmaß an. Bei einer psychischen Erkrankung ist Therapie an der Tagesordnung. Natürlich gilt das auch für alle Entzugsmaßnahmen! Das bedeutet für dich folgendes:

Dein Partner ist in Therapie und die wird nicht nur die Krankheit sondern das ganze System betreffen. Und noch viel mehr: sie findest statt vielleicht nur 1x wöchentlich wie sonst in der Kur täglich und äußerst intensiv statt. Dein Partner wird daher in kürzester Zeit eine psychische Entwicklung durchmachen, für die Andere möglicherweise Monate brauchen.

Das bedeutet auch folgendes: Dein Mann wird dir einen riesen riesen riesen riesen Schritt voraus sein. UND er wird noch einiges zu erledigen haben daheim. Denn er wird sich in der Kur bestimmte Schritte überlegt haben, die jetzt umgesetzt werden wollen und ganz bestimmt auch dich bzw eure Beziehung und Familie betreffen. Das kann dir regelrecht den Boden unter den Füßen wegziehen, wenn du das vorher nicht für eine Sekunde im Kopf hattest.

Wenn du also daheim bleibst und denkst, dass dein Partner jetzt schön brav für 4 Wochen seine Psyche bitte rebooten oder wieder auf Werkzustand zurücksetzen lässt und dann wieder das alte Modell nach Hause kommt – schmäcks (wienerisch für Pustekuchen).

Wenn dein Partner auf Kur fährt ist also die beste Vorbereitung für dich folgendes:

  1. Vergiss die Annahme, dass er wieder gesund und munter und wie der Alte zurückkommt. Rechne lieber damit, das es danach noch ordentlich Aufräumarbeiten geben kann und diese durchaus auch dich und eure Beziehung betreffen können.  Und sollte es doch anders kommen, umso besser.
  2. Im Idealfall nutzt auch du die Zeit der Kur und den damit einhergehenden Abstand, um dich mit eurer Beziehung auseinander zu setzen. Was lief gut, was nicht so toll, was würdest DU gerne ändern?

So, jetzt aber zum eigentlichen Thema.

Mein Mann hat einen Kurschatten – wieso?

Wieso ist Kurschatten eigentlich so ein Phänomen? Das ist eigentlich gar nicht so schwer zu beantworten. Schauen wir uns doch mal an, wie man sich verliebt. Dazu braucht es meistens nur ein paar bestimmte Rahmenbedingungen.

  1. Man ist gerade allein unterwegs und hat keine Freunde oder sogar Partnerin an der Seite. Daher ist man super leicht anzusprechen und vielleicht sogar noch dankbar dafür, wenn das jemand tut.
  2. Alle die auf Kur fahren und dort ankommen haben genau das gleiche Problem – sie sind allein und das ist den meisten Menschen unangenehm. Sie suchen also Anschluss. Es ist ähnlich wie am ersten Tag am neuen Arbeitsplatz – da spricht man plötzlich auch selbst viel leichter fremde Menschen an als man es beim Billa (österreichisch für Aldi oä) sonst tun würde.
  3. Weil der Rahmen aber “seriös” ist (man ist ja schließlich nicht im Swingerclub) ist es auch harmlos, wenn man angesprochen wird oder man selbst jemanden anspricht. Es fällt daher jede Erwartungshaltung weg!
  4. Dann kommt noch die Therapie dazu. Egal ob körperlich oder seelisch oder gar beides – gemeinsam Erlebtes verbindet ungemein. Warum glaubst du ist in den ganzen Bachelor-Sendungen etc immer Abenteuer dran? So wie sich Keanu in Speed bei Bombenentschärfen verliebt, so verliebt man sich halt auch wenn man sich gegenseitig bei den ersten Schritten auf Krücken anfeuert.
  5. Sollten wir hier von Psychotherapie in Gruppenform sprechen – oha. Dann kommt nämlich gleich noch eine unglaubliche Öffnung hinzu. Eigenes wird erzählt, andere haben ähnliches erlebt. Dein Partner erlebt plötzlich Zustimmung und Unterstützung auf eine völlig andere Art und Weise. So wie nur ein Irrer einen Irren erkennt kannst du dir ganz sicher sein – nur jemand der selbst zB ein BurnOut schon erlebt hat, weiß wirklich wie das ist. Das ist ein Informationsvorsprung, den du dir einfach als Gesunde nicht erarbeiten kannst.

All diese Punkte sind ideale Voraussetzungen für das Entstehen von unfassbarer Nähe, ja sogar Intimität. Oft ist ein Kurschatten nicht einmal wirklich mit Fremdgehen verbunden, weil es gar nicht um Sex geht, sondern um etwas viel Tieferes. Nämlich das Gefühl, wirklich verstanden, gesehen und angenommen zu werden.

Und genau DAS ist für die meisten Frauen das eigentliche Problem.

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Ich fühle mich vom Kurschatten bedroht – was mache ich jetzt?

Wann immer ich auf das Thema Kurschatten angesprochen werde, dann kommt innerhalb kürzester Zeit die Frage: was hat sie, was ich nicht habe? Und diese Frage wird aus einem ganz bestimmten Gefühl genährt. Eifersucht. Tiefster nagender hässlicher Eifersucht. Und diese Eifersucht kommt nicht wegen der Untreue – oder zumindest nicht nur. Nicht jeder Kurschatten ist nämlich zwangsläufig eine Affäre. So mancher Mann kommt heim und ist durchaus entschlossen, in der Beziehung zu bleiben. Nur gibt es da jetzt diese andere Frau. Diesen KURSCHATTEN  – allein das Wort schon!! Ein Schatten über der Beziehung.

Aber muss das so sein?

Ich erlebe leider immer wieder, dass Frauen dann über kurz oder lang ihrem Partner den Kontakt zu dieser Frau verbieten. BIG MISTAKE.

Willst du einen Mann oder ein Lulu? Willst du wirklich die Art von Frau sein, die ihrem Mann eine Freundschaft verbietet? Und noch weiter: willst du wirklich einen Mann an deiner Seite, der sich eine so tiefe und für ihn offensichtlich wichtige Freundschaft verbieten lässt?

Das kann nur schief gehen. Und möglicherweise – die Chancen stehen nicht schlecht – bohrst du dir damit nur ein Loch ins Knie. Weil du den Mann damit mit deiner eigenen Unsicherheit vergraulst und dazu bringst genau das zu tun, was du eigentlich verhindern willst – nämlich dich zu verlassen.

Und bevor du dir jetzt die Wunderheilung von diesem Text erhoffst – die gibt es nicht. Im Coaching arbeite ich mit meinen Klientinnen immer wieder den Ursprung ihrer Unsicherheit auf.

Ja. Dein Mann hat jemanden gefunden, der ihm unglaublich nah steht. Näher als vielleicht sogar DU ihm stehst und auf alle Fälle näher, als dir lieb ist. Aber er ist – noch – ein freier Mann, der freiwillig zu dir gekommen ist und bei dir ist. Noch. Dieser Kurschatten kann für deinen Mann ein unglaublich wichtiger Mensch sein, der ihn noch für einige Monate und vielleicht sogar über Jahre (wobei ich das eher selten erlebe) begleitet und eine emotionale Stütze sein kann.

Verschwindet die Krankheit endgültig nicht nur aus dem Körper und der Psyche, sondern vor allem aus dem Selbstverständnis, verschwindet meist auch der Kurschatten.

Je mehr du versuchst, deinem Mann den Kurschatten auszureden, ihm vielleicht sogar den Kontakt zu verbieten, desto schlimmer machst du es. Versuch stattdessen dich damit anzufreunden und herauszufinden, was deinen Partner so weiterhilft und bindet. Wenn du offen und ohne Eifersucht in ein Gespräch gehen kannst, frage ihn. Versuch es wirklich offen und ehrlich herauszufinden, denn so kannst auch DU diese Nähe wieder zu ihm aufbauen! Dazu musst aber auch du dich deinen Ängsten stellen.

Hast du den Herzmut dazu? Soll ich dich dabei begleiten?

Alles Liebe,

Sabine

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7 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo Sabine,

    Was kostet eine Beratung bei ihnen?

    Antworten
  • Hallo Sabine!
    Zu diesem Thema kann ich, leider negativ, auch beitragen. Meine Freundin, wir waren drei sehr schöne Jahre zusammen, hatte im dritten Jahr einen Sehnenabriß in der Schulter und mußte nach OP etc. auch zur Kur. Insgesamt für drei Wochen. In der ersten Woche war alles noch beim Alten. In der zweiten Woche merkte ich aber leider, das sie anfing eine gewisse Distanz zu mir aufzubauen. Nach heftigen Nachfragen etc., ich will hier nicht alles aufführen, kam sie auch mit der Sprache raus, das sie einen Kurschatten gefunden hatte. Nur dumm für mich gelaufen, wurde ich für diesen “abgesetzt”. Da half auch nicht nachzufragen, was denn bei uns schiefgelaufen ist oder war. Es kam nur es sei nicht meine Schuld, ich soll nicht traurig sein, blabla und sie sei jetzt mit diesem Mann zusammen. Dies ist jetzt ein Jahr her. Trotz allem bin ich mir keiner Schuld bewußt, das in unserer Beziehung was falsch war. Es gab keinen Streit, wir hatten die selben Interessen usw. Leider hab ich da eine sehr tolle Frau verloren. Ich bin jetzt drüber weg. Aber es tat schon sehr weh. Und, bevor du nachfragen tust, nein, ich bin nicht ihr “Freund” geblieben.
    Viele Grüße Frank

    Antworten
  • Werner Georg Wiesnet
    10. Februar 2018 9:02

    Hallo liebe Sabine,
    es schreibt Ihnen Georg
    das was ich hier lese, bin ich mit der Tochter einer Vollblut-Narzisstin,
    Leider auch Narzisstin, seit 38 Jahren verheiratet.
    Mein Sohn war auch 2 Jahre mit einer Narzisstische verheiratet, bereits geschieden und glücklich.
    zum Thema Kurschatten und Verbot zu tiefer Nähe
    trifft genau. Ihr Rat der Kontaktsperre war die beste Maßnahme, die 1. Woche war echt hart. Damit ich wieder Kontakt aufnehme hat sie sogar einen Herzinfarkt simuliert.
    Sofort Notarzt gerufen, obwohl sie mir es verboten hat, dann gegen ihren Willen in die Klinik mit geschickt,. das einzige was der Arzt feststellen konnte, war ihr charismatischer Lächeln. Kontaktsperre ist Distanz und mir geht’s jetzt super gut. …
    Ich fühle mich nicht als Sieger… aber als jemand der die richtige Entscheidung getroffen hat. Das gegenüber muß auch Mal was aushalten.
    Ich bin mir unschlüssig, wie ich wann dem Umfeld gegenübertreten soll z.B. Ihre Verwandte oder ob ich auch dort den Kontakt für mich sperren sollte. Mein Bauch sagt bleib da weg….. Ich muss erst wieder die Liebe zu mir finden.
    Ein narzisstischer Mitarbeiter (Schichtleiter Handwerk-Meisterprüfung)
    meinte zu einem jungen Kollege (Meisterprüfung im Handwerk)
    vom Werner (ich) kannst man siegen lernen, und das ohne Kampf.
    Bin Küchendirektor einer Großküche von 40 Mitarbeitern, wir produzieren tæglich 3000 Mahlzeiten.
    Ich kann mir bereits bei meinen Entscheidungen das jubeln meiner Mannschaft sehen.
    Fazit: Du mußte nicht kämpfen um zu gewinnen! (Shaolin)
    Durch den vielen Stress konnte mit Hilfe von CD Selbsthypnose von Dr Arndt Stein lernen.
    Vielen Dank dass es Sie gibt Sabine, so könnte ich den richtigen
    Weg finden. Machen Sie weiter so.
    Beste Grüße
    von Georg

    Antworten
  • Hallo, das ist echt schräg weil es mir auch so ging mit meiner Ehemaligen Frau, toller Beitrag!!

    Antworten
  • Ich steh gerade am selben Punkt. Mein Mann ist mit unserem Sohn auf Kur. Nach 19 Tagen Kur der Schock. “Ich habe hier jemanden kennen gelernt und werde zu ihr ziehen wenn die Kur beendet ist. Die Scheidung reiche ich ein” unfassbar. Man gibt sich selber die Schule. Wäre ich doch gefahren. Es tut einfach so weh.

    Antworten
  • Liebe, Sabine, warum Frauen sowohl auch Männer zu einer Reha fahren? Weil sie krank sind… Von dem Leben… Leben mit dem Partner… Ich habe keinen kurschatten aber ich habe mich entschieden… Mich zu trennen… Und ich bereue es nicht… Eine Affäre auf der Reha hatte ich auch… Aber die hat mein Leben nur bereichert… LG

    Antworten

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