Und genau dann, wenn es endlich so weit ist und du jemanden getroffen hast und toll findest – genau dann passiert es. Du bist eigentlich sonst ganz ok (vielleicht sogar sehr taff!), hast dein Leben im Griff, gute Freunde, Job ok und auch sonst alles im Grünen Bereich. Du könntest und solltest zu Recht stolz auf dich sein und wissen, was du zu bieten hast. Und was fühlst du STATTDESSEN? Du bist SO klein mit Hut und fühlst dich nicht nur klein, sondern winzig und absolut emotional bedürftig. Und du hasst es.

Die Bedeutung von Needy

Needy … so ziemlich das letzte Wort das man über sich selbst denken oder hören will. Klingt so ähnlich wie creepy. Oder clingy. Emotional bedürftig sein ist T-O-T-A-L uncool und niemand will es sein. Es würde zur Not auch reichen, es zumindest nicht zu zeigen. Und spätestens seit emotionale Bedürftigkeit und Neediness im Datingbereich immer wieder als KO-Kriterien erwähnt werden, hat sich auch die Aufmerksamkeit dafür erhöht.

Needy zu sein bedeutet, immer wieder etwas vom Partner/der Partnerin zu brauchen. Needy-Menschen finden in sich nicht genug Sicherheit und Vertrauen, deshalb brauchen sie immer wieder die Bestätigung von Außen. 

Immer wieder werde ich gebucht um eine aktuelle Kennenlernphase zu begleiten. Gerade wenn man entweder wenig oder zuviel negative Erfahrungen gesammelt hat, ist das ein sinnvoller Schritt, um sich während dem Dating besser zu fühlen und sicherer zu werden. Es ist wie ein Training on the Job und man lernt über sich, lernt neue Verhaltensweisen und auch den/die Partner/in besser zu verstehen. Das kann schon mal in einer glücklichen Beziehung enden. In so gut wie jeder dieser Begleitungen höre ich aber auch Sätze wie diese:

  • Ich will nicht so bedürftig sein. Sein/Ihr Verhalten verunsichert mich und ich traue mich nicht, es anzusprechen.
  • Ich kann doch nicht sagen, was ich will – sonst wirke ich needy.
  • Wenn ich sage, dass ich Gefühle für ihn/sie habe, dann wirke ich doch emotional bedürftig.

Und auch du bist sicher nicht ohne Grund auf diesem Beitrag gelandet – was sind deine Gedanken zum Thema emotionale Bedürftigkeit und needy sein?

Ich bin needy – stimmt das überhaupt?

Wenn du schon mal mit mir gearbeitet hast oder mir schon länger folgst, dann weißt du – ich hinterfrage gern. Die Geschichten, die wir uns über uns selbst erzählen, sind die wirksamsten Autosuggestionen. Blöd nur, wenn man sich dann selbst mit den falschen Botschaften hypnotisiert und programmiert. Nachfolgend kannst du dich selbst reflektieren, wie es dir damit geht.

9 Anzeichen – Needy – wie emotionale Bedürfigkeit aussieht

1. Needy schreit nach Bestätigung

Oft „funktionieren“ emotional bedürftige Menschen im Alltag gut, haben alle anderen Lebensbereiche außerhalb der Beziehung – vor allem Arbeit, Studium, evtl Hobbies etc – gut im Griff. Je näher die Bezugsperson jedoch steht, desto schwieriger wird es mit der eigenen Sicherheit. Das kann ganz unterschiedliche Ursachen haben – frühkindliche Prägungen oder spätere Erfahrungen im Erwachsenenalter, jedoch kann man beides meistens gut aufarbeiten, vor allem mit Begleitung.

Wenn du needy bist, brauchst du jemanden um dich zu bestätigen. Dir eine Rückversicherung zu geben dafür, dass du liebenswert bist, dass du geliebt wirst, dass du der/die Einzige bist usw. Du brauchst jemanden im Außen, der dir im das gibt, was du dir im Inneren nicht selbst geben kannst. Typischerweise richtet sich dieser Anspruch im Erwachsenenleben an den/die Partner/in.

Die Neediness zeigt sich in typischen Sätzen/Fragen/Dramaeinladungen – es ist ein bißchen wie fishing for compliments.

  • Ich weiß eh, dass ich nicht so klug bin wie
  • Ich bin zu dick, zu hässlich, zu …
  • Wahrscheinlich waren deine früheren Freund*innen alle besser im Bett/haben mehr verdient/waren sportlicher als ich/konnten besser kochen als ich/…

Wie auch immer der Text lautet – er schreit danach, dass dein Partner*in dir sagt, dass das doch alles nicht stimmt und du gut und geliebt bist, wie du bist. Und vielleicht sogar besser als alle anderen.

2. Bestätige mich – und zwar immer wieder

Wenn du needy bist, dann gibt es auch kein „Genug“ für dich. Egal wie oft dir dein/e Partner/in sagt, dass sie dich liebt – es wird nicht reichen. Du empfindest den Drang, immer wieder nachzufragen und es noch einmal zu hören oder lesen. Dann folgt eine kurze Phase der Entspannung, bis die Unsicherheit erneut wieder hochkriecht. Es ist ein Fass ohne Boden.

3. Needy – ich kann nicht ohne dich

Emotional bedürftige Menschen lösen sich meistens ohne ihre Partner auf … Sie wollen nicht ohne sie sein und beginnen schnell mal, andere Dinge hintanzustellen, nur um den/die Partner/in sehen zu können. Sie verschieben Treffen mit Freunden oder sagen sie ganz ab, um sich der Beziehung zu widmen. Machst du das? Isst du bei einem Date plötzlich Burger, obwohl du eigentlich vegan lebst, nur um dein Gegenüber zu spiegeln und nicht zu kapriziös zu wirken?

4. Extreme Eifersucht

Dein/e Partner/in spricht mit einem anderen Mann/Frau und du flippst völlig aus. Auch wenn es beruflich bedingt ist und nicht der Hauch eines Flirts in der Luft liegt? Du vermutest ständig, dass er/sie dich betrügt und suchst nach Anzeichen dafür? Das bringt mich gleich zum nächsten Punkt.

5. Social Media Stalking

Needy Menschen stalken ihre Wunsch/Partner oft im Netz, prüfen mit wem sie befreundet sind und wer wo welche Likes vergibt. Kontrollierst du, ob die Haken in deiner Nachricht schon blau sind und wo die Antwort bleibt? Wie oft er/sie auf Whatsapp/Facebook und Co online ist, ohne dir zu schreiben? Auch das führt gleich zum nächsten Punkt..

6. Du schreibst Nachrichten. Ununterbrochen.

Wenn du ein needy girl/needy guy bist, dann hältst du zwischen den Treffen permanent Kontakt. Da fliegen nicht nur 2-3 Nachrichten zwischendurch mal hin und her, sondern 50-100 Nachrichten am Tag. Und wenn die Antwort nicht gleich kommt, wirst du emotional und brauchst gleich doppelt soviel Bestätigung. Ich habe Klienten, die sich bei ihrem Partner „abmelden“, wenn ein Arbeitskollege ins Zimmer kommt, damit der Partner nicht beunruhigt ist, wenn es mal 10 Minuten dauert, bis eine Antwort kommt. Zählst du innerlich die Sekunden, bis eine Nachricht kommt?

7. Du pusht die Beziehung ständig nach vorn.

Das zweite Date, und du willst wissen, ob ihr ein Paar seid. Nach 3 Wochen wird über Zusammenziehen gesprochen. Nach 3 Monaten über Heiraten und nach 6 Monaten über Kinder und Haus. Und das Alles aber nicht, weil ihr so überglücklich seid und es euch nicht schnell genug gehen kann. Sondern weil du Angst hast. Permanent Angst davor, ihn/sie wieder zu verlieren.

8. Du bekommst Panik, wenn er/sie Zeit für sich haben will

Emotional bedürftige Menschen wollen am liebsten rund um die Uhr mit ihrem Partner zusammen sein. Wenn sie das nicht können, halten sie zumindest virtuellen Kontakt, versuchen aber oft auch noch über Anrufe den/die Partnerin zu erreichen. Leidest du quasi „Höllenquallen“, wenn dein Partner ohne dich am Fussballmatch ist? Verstehst du gar nicht, wie er überhaupt ohne dich dort hingehen kann?

9. Du kannst dir ein Leben ohne ihn/sie zwar vorstellen, bist aber nicht bereit dazu

Wie schon weiter oben erwähnt, haben emotional bedürftige Menschen ihr Leben außerhalb der Beziehung oft gut im Griff und können sogar über weite Strecken auch gut allein leben. Aber WENN sie jemanden (glauben) gefunden (zu) haben, dann rückt das alles in den Hintergrund und wird unwichtig. Wenn es dann den Anschein hat, dass er/sie sich zurückzieht, dann bricht alles zusammen und das Leben scheint plötzlich nicht mehr lebenswert. Kennst du das?

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Needy oder schon emotional abhängig?

Wie fällt deine Auswertung aus? Kannst du einzelne, alle oder gar keinen der obigen Punkte für dich erkennen? Je nach Ausprägung rutschen needy Menschen auch schon die emotionale Abhängigkeit hinein. Emotional bedürftig zu sein ist oft die Vorstufe davon. Ein wichtiger Unterschied für mich ist die Dauer. Gerade in der Kennenlernphase fühlt man sich ganz leicht mal emotional bedürftig, auch in einer längeren Beziehung kann das immer wieder mal vorkommen, dass man verunsichert ist und etwas mehr Bestätigung braucht als sonst. Bitte mach dir auch bewusst, dass es Situationen gibt, die das einfach total verunsichernd sind – dazu zählt jede Form von Kontaktabbruch – egal ob Ghosting, eine Beziehungspause oder eine Kontaktsperre.

Es ist ok, ZWISCHENDURCH auch mal den Partner zu brauchen, um sich wieder zu stabilisieren! Eine Beziehung, in der ich mich nicht auf den/die Partner/in beziehen kann in einer schwachen Phase, ist keine Beziehung. Und es ist auch eine Illusion zu glauben, dass man immer selbst alles im Griff haben muss und dem/der Partner*in nicht zur Last fallen darf. Sei lieb zu dir, sei sorgsam mit dir und prüfe deine Glaubenssätze.

Wenn du dich selbst als emotional bedürftig einschätzt, findest du im Artikel zur emotionalen Abhängigkeit schon einige Schritte, wie dich dich da rausholen kannst!

Glaubenssätze rund um needy sein bzw emotionale Bedürftigkeit

Warum ich eigentlich dieses Thema ausgewählt habe, ist weil ich in den letzten Wochen SO OFT von Klienten und sogar im privaten Umfeld gehört habe, dass „man ja nicht needy sein soll“ und „niemand will emotional bedürftige Menschen“. Ja eh, wenn man wirklich so jemanden trifft und selbst halbwegs seine Murmeln beisammen hat, findet man needy people rasch unangenehm und distanziert sich.

Aber ich erlebe mindestens genauso oft, dass Menschen nicht sagen, was sie gerne mit ihrem Gegenüber erleben würden, aus Angst, bedürftig zu wirken. Und sorry. das kanns auch nicht sein!

Bedürfnisse ausdrücken versus Needy

Wir alle haben Bedürfnisse. Vielleicht sagt dir die Bedürfnisspyramide von Abraham Maslow etwas, die zwischen

  1. Existenziellen Bedürfnissen (Essen, Schlaf, Schutz etc),
  2. Sicherheitsbedürfnissen (physisch – ich habe ein Dach über den Kopf, niemand überfällt mich, … psychisch – ich lebe in einer stabilen Umwelt, ich bin keiner seelischen Grausamkeit ausgesetzt, ich erlebe keine Pandemie …)
  3. Soziale Bedürfnisse – wir wollen Teil eines Gesamten sein, wir brauchen Freunde, Familie, Kollegen etc, wir brauchen „Anschluss“
  4. Individuelle Bedürfnisse – zB Erfolg, Stärke, Unabhängigkeit, Freiheit aber auch Prestige und Anerkennung
  5. Selbstverwirklichung – die ursprüngliche Annahme war, wenn die vorangegangenen Bedürfnisse erfüllt sind, dann kann man sich der Selbstverwirklichung widmen. So lange man kein Geld für Essen und ein Dach über dem Kopf hat, ist eine Yogaklasse vielleicht eher uninteressant.

Die Pyramide ist eigentlich nicht stringent aufgebaut, manche gehen davon aus, dass ca 70% Bedürfnisserfüllung reichen können, um ein Bedürfniss zu decken. Worauf ich hinaus will – gerade in einer Kennenlernphase zB erleben ganz viele Menschen Unsicherheit und haben gleichzeitig ein ziemlich tief sitzendes Bedürfnis nach Sicherheit. Wenn sich das Gegenüber zu lange nicht äußert oder äußern mag zur aktuellen Sitution, führt das in der Regel zu Verunsicherung. Wenn diese Unsicherheit zu groß wird, muss man fast schon etwas tun. Das sind die Momente, wo meine Klienten sagen, es wäre ihnen lieber, er/sie würde Schluss machen, dann wüßten sie wenigstens, woran sie sind.

What? Lieber Schluss als sagen, was man will?

Ein (potentieller) Partner sollte natürlich auch dazu da sein, bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen! Und du darfst ihn auch darum bitten! Es macht dich nicht emotional bedürftig, wenn du ihm/ihr sagst, dass du ihn/sie gern mehr in deinem Leben hättest. Damit drückst du ein Bedürfnis aus und zeigst, dass du weißt, was du brauchst und in gesunder Weise für dich sorgst. Emotional bedürftig bist du erst dann, wenn er/sie das nicht will und du trotzdem an ihm/ihr festhältst. Weil ein bißchen immer noch besser ist als gar nichts.

Ich hoffe sehr, dass dir dieser Beitrag weiter hilft. Ich sage es immer wieder – nutze meine Kennenlernstunde, arbeite mit mir, lass dich begleiten und hol dir Hilfe. Oft reicht schon eine Stunde um die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Wenn du das willst, ich bin da.

Ganz viel Herz & Mut,

deine Sabine

 

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Ach, das tat wieder gut liebe Sabine! Du hast es wieder wunderbar geschafft diese feine Linien zu ziehen, hier zwischen abhängig, präabhängig, und einfach gesund menschlich bedürftig. Vor Monaten sagte mal eine Freundin zu mir „solange ich sage ich BRAUCHE xy von meiner Partnerin, habe ich noch offene Themen mit mir, die ich erstmal lösen sollte“. Ich konnte im ersten Moment nicht erklären was mich daran so irritierte, ja abstieß. Später habe ich dann verstanden und eine, meine 😉 Haltung darin gefunden, wie du liebe SAbine es hier so schön erklärt hast. Zu Brauchen ist nämlich etwas total gesundes und menschliches im Sein als soziales WEsen. ‚Brauch-Themen‘ im Sinne der emotionalen Abhängigkeit oder ihrer kleinen Schwester ;P, zu erkennen und zu klären, ist natürlich wichtig, aber sollte nicht verwechselt werden. Also danke nochmal für die Klärung der Begrifflichkeiten und Wirkungsspielraum !!! Herzensgrüße

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  • Sabine, das ist einfach so gut! So auf den Punkt getroffen. Bäm. Danke dir für deine Gedanken und diesen Artikel.

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