Offene Beziehung – ein Interview über Eifersucht, Erfahrungen und Regeln

Melanie Mittermaier ist Coach für offene Beziehungen, fremdverlieben, Betrogene und Betrügende. In diesem Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen mit offenen Beziehungen, wie es dazu kam dass sie selbst in einer offenen Beziehung lebt und wie es in diesem Beziehungskonzept mit Treue, Eifersucht und Vertrauen aussieht. Einen spannenden Selbsthilfekurs für betrogene Partner hat sie ebenfalls entwickelt!

Hier kannst du das Interview auch nachlesen!

Melanie Mittermaier & offene Beziehung – das Interview

S:      Herzlich willkommen bei einem neuen Podcast von „Herzmut“, der Beziehungspraxis. Heute habe ich mir die Melanie Mittermaier von melanie-mittermaier.de eingeladen und möchte mit ihr plaudern über das Thema „Treue, Beziehung, offene Beziehung, fremdverliebt, Fremdgehen“ – so diesen ganzen Themenkomplex. Die Melanie kenne ich aus einer Facebook-Gruppe, wo sich – ich glaube, das kann man fast so sagen – die Besten der deutschen Beziehungsexperten zusammengesammelt haben, um sich auch gegenseitig ein bisschen zu unterstützen. Und das siehst du jetzt leider nicht, weil du ja am Podcast mithörst, aber die Melanie ist eine Frau, der springt das Leben und auch die Liebe einfach nur so aus dem Gesicht. Und das fand ich einfach großartig, und an der Frau kann man einfach nicht vorbeigehen, und deswegen ist sie heute auch da. Die Melanie ist Bloggerin, Liebescoach, Rednerin, so alles Drum und Dran, und genau das tun wir jetzt auch: reden. Hallo, Melanie.

M:    Hallo, Sabine, servus!

S:      Hi. Geht’s dir gut?

M:    Mir geht’s gut, sehr gut.

S:      Das ist ein guter Anfang für heute. Ich hab’s ja schon kurz gesagt: Du bist in deiner Beschreibung „Liebes-Coach“ und hast auch einen Blog am Laufen, diverse Kurse, du redest ganz viel, man sieht ganz viele Bühnenfotos auf deiner Seite, die wirklich großartig und empfehlenswert ist im Übrigen für alle da draußen. Trotzdem ist es so, ich hab dich am meisten gespeichert zum Thema „fremdverliebt“, offene Beziehung, eben diese ganzen Themen, die ich eingangs schon angesprochen habe. Das kommt vielleicht auch ein bisschen daher, dass du ja selbst mit deinem Mann – Andy heißt der glaube ich – dass du ja mit Andy ein nicht ganz traditionelles Beziehungsbild lebst, richtig?

M:    Ja, kann man so sagen.

S:      Magst du uns was erzählen darüber?

… Ich bin spezialisiert auf offene Beziehungen …

M:    Ja. Also das „fremdverliebt“ ist tatsächlich eins der wichtigsten Themen, also „Liebe leben“ ist so der Oberbegriff von meiner Webseite, meinem Blog. Also, mir geht’s grundsätzlich immer um die Liebe. Nur spezialisiert bin ich tatsächlich auf das Thema „Fremdverliebt, Fremdgehen, offene Beziehung, langjährige Liebesbeziehung“ – weil in langjährigen Liebesbeziehungen einfach irgendwann die Menschen an dem Thema vorbeikommen, also die meisten – und sich entweder verlieben und es verdrängen oder sich verlieben und dem nachgeben.

Und mein Mann und ich – ich bin auf meinen Blog gestoßen, weil ich mich eben in einen anderen Mann verliebt habe und ich mir gedacht habe: „Wow, das ist ja jetzt eine schräge Nummer! Mir haben alle gesagt, das geht nicht.“ Also die haben immer gesagt: Wenn man sich verliebt in jemand neues – also das ist das klassische Beziehungsbild – dann stimmt etwas nicht mit der alten Beziehung. Und dann habe ich meine alte Beziehung wirklich auf den Kopf gestellt, analysiert und wirklich Inventur gemacht und gekuckt und gemacht – Um festzustellen, dass alles bestens ist.

Wir hatten eine Krise, die gerade frisch überwunden war. Wir hatten eine Sex-Krise, mein Mann und ich. Nach den Kindern ging halt meine Lust nach unten, seine ist gleich geblieben – was auch viele Paare in langjährigen Beziehungen erleben. Diese Krise hatten wir gerade super gestemmt, gemeistert nach ein paar Jahren, die echt nicht witzig waren, und waren gerade auf so einem Top-Level von unserer Beziehung. Es war alles witzig, lustig, wir hatten guten Sex, wir hatten auch wieder öfter Sex.

Also, es hat alles gepasst, und gerade in der Phase habe ich mich voll verliebt in jemand anderes. Und dann habe ich mir gedacht: „Das ist doch jetzt irgendwie komisch.“ Und daraufhin habe ich dann ganz viel recherchiert, gelesen, ausprobiert, mit meinem Mann gesprochen, also wirklich alles von allen Seiten her beleuchtet, und hab festgestellt, das ist gar nicht so, wie immer alle sagen. Das ist eigentlich ganz anders.

S:      Tatsächlich hast du jetzt schon etwas angesprochen, was bei mir oft Thema ist, nämlich: „Hopps, ich hab mich fremdverliebt – das muss bedeuten, dass in meiner Beziehung was nicht stimmt.“ Also diese Idee – ich weiß gar nicht, woher das kommt. Ich hab’s ehrlich gesagt auch noch nie in Frage gestellt. Aber tatsächlich ist das ein Glaubenssatz, der glaube ich bei ganz vielen Leuten ganz stark verankert ist, dass die Tatsache, dass man sich fremdverliebt hat, ein Zeichen dafür ist, dass mit der jetzigen Beziehung irgendwas nicht stimmen kann. Und du bist jetzt quasi der Beweis dafür, dass das nicht so sein muss, also dass man sich auch total glücklich in der eigenen Beziehung fühlen kann und trotzdem fremdverliebt.

Drei Gründe für eine Fremdliebe

M:    Ganz genau. Was ich dann also herausgefiltert habe: Es gibt so drei Gründe für eine Fremdliebe. Und der eine Grund ist – was ich auch viel im Coaching erlebe – ist dass die Beziehung längst schon vorbei ist. Irgendjemand hat sich innerlich quasi schon getrennt oder innerlich gekündigt sozusagen und verliebt sich dann in jemand anders. Das ist dann meistens so ein Zeichen: „Jetzt geh endlich – also jetzt trenn dich endlich!“ Weil das ist schon überfällig.

Der zweite Grund ist der Hauptgrund, was ich sehr, sehr viel in meiner Beratung erlebe, dass tatsächlich mit der Beziehung was nicht stimmt, dass die Paare nicht mehr sich gekümmert haben. Sie haben keine Energie mehr investiert, sie reden aneinander vorbei oder reden wenig miteinander, geben sich oft die Klinke in die Hand, funktionieren als Familie und leben aber kein Paarleben und kommunizieren nicht wirklich miteinander. Das erlebe ich, das ist so der Hauptteil tatsächlich, deswegen hält sich dieser Glaubenssatz denke ich auch so stabil, weil es meistens so ist. Sobald eine andere Person in das Leben oder in die Beziehung reinkommt, ist das ein Hinweis darauf, dass die zwei irgendwie ein Stück weit sich vernachlässigt haben.

Nur bei mir war es eben der dritte Grund: Es kann alles völlig in Ordnung sein, und wir können uns trotzdem verlieben, weil es möglich ist, mehrere Personen gleichzeitig zu lieben. Es gibt Menschen, die führen gleichwertige Beziehungen, also mehrere, also Polyamorie, das war so ein Wort, das habe ich damals zum allerersten Mal gehört. Ich dachte: „Was ist denn das?“ Und dass es dann wirklich Menschen gibt, die gleichwertige Beziehungen leben, also mit irgendwie zwei Schwiegermüttern und viermal Weihnachten – also logistisch mega-herausfordernd aus meiner Sicht. Nur auch das gibt es, und das wusste ich damals nicht. Das war für mich schon sehr spannend.

Was ist eine offene Beziehung ?

S:      Vielleicht wollen wir eine kurze Begriffsklärung machen für unsere Hörer und Hörerinnen, nämlich im Sinne von: Was ist offene Beziehung, was ist Polygamie, was ist Polyamorie? Nur so, dass wir da so ein bisschen – weil ich bin mir nicht sicher, ob das jeder so parat hat, was da eigentlich die Unterschiede sind.

M:    Okay. Also es gibt die klassische monogame Beziehung: Beide sind treu, grundsätzlich, also da gibt es zwei Personen, die haben nur miteinander Sex. Je nach Erweiterung der Komfortzone dürfen sie mal kucken oder auch nicht, an jemand anderes denken oder auch nicht. Also das ist in den treuen Beziehungen – manche sind enger, manche sind entspannter. Nur grundsätzlich findet Sex nur zwischen den beiden statt. Und Verlieben ist auch nicht erlaubt. Also das ist so – die Menschen müssen wissen, dass sie zusammengehören. So.

Dann gibt es die Treue-Beziehung, wo dann irgendeiner halt sagt: „Na ja, eigentlich ist das mit der Treue schon wichtig. Aber irgendwie ist da trotzdem jemand.“ Und dann gehen die Menschen fremd. Also das wäre das Fremdgehen: Jemand hat Sex mit jemanden, und es ist heimlich, mit Lügen usw.

Dann gibt es das so genannte „Bekanntgehen“, dass jemand jemand anders hat, fremdgehen will und dem Partner sozusagen Bescheid gibt, dass da was läuft. Das wäre dann dieses Bekanntgehen, wenn es offiziell oder öffentlich ist, wo dann schon in Richtung offene Beziehung geht, wenn die Paare dann tatsächlich miteinander reden und sagen: „Okay, lass uns aus der klassischen Monogamie aussteigen in eine offene Beziehung. Offene Beziehung bedeutet, wir öffnen unsere Beziehung, um tatsächlich auch Sex mit anderen zu haben.“ Da gibt es auch Unterschiede. Manche erlauben eben Gefühle, manche erlauben nur Sex, manche erlauben Zweitbeziehungen, manche erlauben nur One-Night-Stands. Das ist ganz unterschiedlich. Also jede offene Beziehung hat auch wieder ihre eigenen Regeln. Die klassische Meinung ist immer: In einer offenen Beziehung wird gevögelt auf Teufel raus. Das ist meistens nicht der Fall, sSondern offene Beziehungen haben auch ganz unterschiedliche Regeln – im Gegensatz zur geschlossenen Beziehung, wo klar ist: Da kommt keiner rein und keiner raus. So.

S:      Aber ist es nicht so, wenn bei einer offenen Beziehung schon Nebenbeziehungen bestehen, dass man dann eigentlich schon von Polyamorie spricht?

M:    Nein. Polyamorie, das ist ganz klar abgegrenzt. In der Polyamorie haben die Menschen gleichwertige Beziehungen. Also das heißt, es gibt keine Haupt- und keine Nebenbeziehung, sondern beide – oder wie viele auch immer die schaffen, keine Ahnung – sind gleichwertig, das heißt, kein Partner ist irgendwie Zweit- oder Drittwahl, sondern wirklich, die sind – das ist die klassische Polyamorie mit gleichwertigen Beziehungen. Also eine offene Beziehung wäre: Ich habe eine Hauptbeziehung, und da können vielleicht Nebenbeziehungen stattfinden oder eben nur One-Night-Stands. Genau.

Regeln einer offenen Beziehung

S:      Ich war mal auf einem Vortrag zum Thema Polyamorie. Das war recht spannend, weil er wissenschaftlich aufgezogen war von einer Wissenschaftlerin, die das für ihre Doktorarbeit untersucht hat. Und die hat tatsächlich erzählt, dass die Mitglieder in einer polyamoren Beziehung einen gemeinsamen öffentlichen Kalender führen, um sich überhaupt noch – zu viert, ich glaube die einen waren zu viert, die anderen waren phasenweise sogar zu mehrt noch – um sich die Zeiten überhaupt noch organisieren zu können. Das fand ich recht witzig, ist aber sicher auch notwendig. Was ich ganz spannend gefunden habe ist: Du hast jetzt gemeint, bei offener Beziehung gibt es auch ganz unterschiedliche Regeln, wie zum Beispiel, ob man jetzt Gefühle zulässt oder nicht, ob man jetzt – weil ich ja bezweifle, dass man das so steuern kann.

M:    Ja, das bezweifle ich auch.

S:      Aber auch die Frage: Darf es jetzt nur ein One-Night-Stand sein, darf es – keine Ahnung – ein Mehrere-Nächte-Stand sein? Oder darf sich hier auch wirklich eine parallele Beziehung heraus entwickeln, die aber, wenn ich dich jetzt richtig verstanden habe, nicht der Hauptbeziehung gleichkommt? Erlebst du denn in deiner Praxis, dass die Leute sich das wirklich so aussprechen?

M:    Nein. Also, das ist tatsächlich – das weiß ich nur von den Beziehungsbloggern oder von den Menschen, die tatsächlich solche Konzepte schon länger leben, die mehr, eher in der Öffentlichkeit unterwegs sind – aber jetzt die normale Bevölkerung, die bei mir im Coaching landet, die sprechen zum ersten Mal überhaupt vielleicht über den Wunsch – weil einer sagt, er will gern eine offene Beziehung, und der andere nicht. Und dann kommen die zu mir, und die sprechen dann zum ersten Mal überhaupt über das Thema Treue. Also das ist, diese klaren Definitionen gibt es eher bei Bloggern oder bei Menschen, die einfach solche Konzepte leben und die dann einfach auch zur Verfügung stellen.

S:      Und hilft es dann, wenn sie dann mit dir im Coaching sich solche Regeln ausmachen? Hast du das schon erlebt, dass das Thema wurde auch?

M:    Also grundsätzlich bin ich jetzt nicht so der Freund von diesen Regeln, weil ich eben selber der Meinung bin, dass wir die nicht festlegen können, weil wenn dann ein Gefühl dazukommt – wer will das verhindern? Oder wie will ich das -? Mein Ansatz ist eher derjenige, dass ich den Menschen mit auf den Weg gebe: Dein Partner gehört dir nicht – zu keiner Zeit, und du hast sowieso keine Kontrolle, weder über sein Gefühlsleben, noch über sein Sexleben. Und wenn du ihm natürlich drohst mit – keine Ahnung – Kindesentzug und was auch immer, dann wird er vielleicht tendenziell eher treu bleiben. Nur was wir ja da draußen erleben, tun‘s die Menschen ja trotzdem nicht. Also sie sind ja trotzdem nicht wirklich treu.

Und da ist mein Ansatz eher dieser übergeordnete Ansatz, dem Partner zu vertrauen, grundsätzlich, dass er für sich das richtige Leben wählt und die richtigen Entscheidungen trifft und da so eine übergeordnete, ja, Treue, Vertrauen, Vertrauensbasis eigentlich, also sich selbst treu zu sein, ist mir immer viel wichtiger, dass ich den Menschen an die Hand gebe: Sei dir bitte selber treu. Dann könnt ihr manchmal kommunizieren, manchmal aber auch nicht. Ich bin jetzt nicht diejenige, die sagt, man muss das unbedingt immer super ehrlich, offen kommunizieren, sondern man kann auch in einer Beziehung besprechen: „Hey, mach du dein Ding, ich mach mein Ding – so lange du glücklich bist, ist alles gut.“ Von so Regeln halte ich nicht viel.

Welche Erfahrungen ich mit meiner offenen Beziehung gemacht habe

Ich selber, oder in meiner eigenen Beziehung haben wir das so gelöst, dass wir halt immer mal wieder drüber sprechen, wie wir uns das so vorstellen, und wir beide sagen so – irgendwie, keine Ahnung, wenn wir heute am Abend daheim sind und sagen: „Ach, lass uns doch irgendwie – keine Ahnung – irgendeinen Film schauen oder so was.“ Und dann würde einer jetzt sagen: „Ach, ich fahre jetzt aber zu jemand anders.“ Das wäre für uns total komisch und seltsam. Also bei uns ist die offene Beziehung eher so: Wenn jemand gerade unterwegs ist und da schneit irgendjemand ins Leben, und da ergibt sich gerade eine Gelegenheit – super.

Ob es dann zu einer Nebenbeziehung kommt, dass wissen wir de facto nicht, weil wir das nicht erlebt haben bisher. Also meine Fremdliebe hat sich mir nicht zur Verfügung gestellt. Der war auch verheiratet, und der hatte mehr Angst als ich und hat gesagt, nein, er will da gar nicht irgendwie rumprobieren, das ist ihm zu heiß. Also wir haben gar nicht so offen kommuniziert. Der hat einfach nicht kommuniziert oder kaum, ja, der hat dicht gemacht, und das mehr verdrängt. Und dadurch ist auch da nichts entstanden. Nur wenn ich mal eben mit jemand anders auch mehr als nur flirte, dann liegt das in meinem Ermessen. Nur es ist – an unser Familienleben kommt das nicht hin.

S:      Aber wie ging das denn damals? Jetzt sagst du, du hast dich damals an einer guten Stelle in eurer Beziehung fremdverliebt. Jetzt der ja noch dazu eigentlich eh abgeblockt. Das heißt, es ist gar nichts passiert. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht so einfach ist, dann einfach herzugehen und zu sagen: „Du, Andy, übrigens – ich hab mich da mal geschwind verliebt“, und der so: „Ach ja, Schatzl, mach mal, das ist schon in Ordnung, so lange du bei mir bleibst.“ Also so ist das jetzt nicht gelaufen?

M:    Nein, so ist das nicht gelaufen.

S:      Das muss ja auch viel Mut kosten. Also ich denke mir, wenn jetzt jemand da draußen ist, der das hört und der sich gerade denkt: „Shit, mir geht’s gerade genauso. Ich bin in einer langjährigen Beziehung, egal ob Mann oder Frau. Und jetzt habe ich da jemanden getroffen, und der bringt mein Herz gerade zum Beben. Vielleicht noch gar nicht mehr, aber zumindest mal das, ja?“ Was tue ich denn da? Was geht mir da durch den Kopf? Sage ich’s überhaupt? Und wenn ja: Wie sage ich das? Weil, ganz ehrlich, die meisten hätten ja vermutlich Angst, dass, wenn sie das beichten, das automatisch das Ende der Beziehung ist. Das bringt dich ja glaube ich auch in eine Zwickmühle. Weil da musst du ja kommunikationstechnisch und selbstreflektionsmäßig schon weit fortgeschritten sein, sage ich jetzt mal, dass du da echt hergehst und das auspackst.

Die Gefahr beim Fremdverlieben

M:    Ja. Also das ist – ich erlebe das gerade im weiteren Bekanntenkreis, da hat sich eine Frau fremdverliebt und hat halt ihrem Mann gesagt: „Du, ich habe mich da verliebt – was machen wir jetzt?“ Und der ist aus allen Wolken gefallen, ausgezogen, also hat jegliche Gesprächsbereitschaft komplett abgeblockt und gar nicht mit ihr irgendwie da weiter gesprochen, obwohl sie eigentlich sich geöffnet hat und es versuchen wollte, irgendwas zu retten. Das ist halt schade. Bei mir war das so –

S:      Sie wollte ihn gar nicht verlassen oder sonst irgendwie was, sondern er hat – das war halt seine Reaktion dann.

M:    Ganz genau. Und das finde ich halt sehr schade. Ich habe das damals eben – manchmal ist das – mit der Tür ins Haus zu fallen, ist ein bisschen viel, auch für den Partner. Und gerade, wenn die Beziehung eigentlich bisher auf Treue aufgebaut war, ob jetzt ausgesprochen oder wie in den meisten Fällen nicht ausgesprochen, sondern das ist halt so, dass man treu ist, und da redet man einfach nicht viel drüber. Und dann passiert das plötzlich. Ich habe dann angefangen, meinem Mann einfach nur so Fragen zu stellen, so: „Wie ist denn das bei dir eigentlich? Hast du manchmal auch Lust auf andere Menschen, und kommt es mal vor, dass dir eine Frau besser gefällt als einfach nur so?“ Also, ich habe da ganz vorsichtig mich rangetastet und habe über das Thema Treue im Grundsätzlichen immer mehr gesprochen. Dass wir da einfach zum allerersten Mal darüber gesprochen haben. Und bis ich ihm dann wirklich erzählt habe, dass ich mich fremdverliebt habe, das ist bestimmt schon anderthalb Jahre später dann gewesen, weil ich es halt öffentlich machen wollte.

Offenheit als Grundsatz

Und da habe ich mir gedacht, okay, jetzt muss ich einfach alles auspacken, weil ich finde, das ist hilfreich für viele andere auch. Und ich wollte es dann öffentlich machen und wollte halt, dass mein Mann das natürlich zuerst erfährt. Und habe ihm dann eben davon erzählt, nachdem wir dann aber schon wirklich lang und viel auch über das Thema Treue und wie wir Beziehung gestalten wollen gesprochen haben. Und dann war das nicht mehr ganz so schlimm oder nicht mehr ganz so aus dem Blauen raus. Sondern da hab ich ihm dann erzählt: „Ja, damals war das so, da habe ich mich in jemand anders verliebt“ und so, und mein Mann hat gesagt: „Ja, es fühlt sich irgendwie komisch an. Also, es ist irgendwie seltsam.“ Nur über unsere Gespräche – also es war damals, als ich mich ja verliebt habe, da hatten wir ja dann – keine Ahnung – dreimal am Tag Sex, weil ich so natürlich voller Lust war und voller Fantasien und hab es halt an meinem Mann ausgelebt, weil ich es ja nirgendwo sonst auch ausleben hätte können. Und mein Mann war ja dann im Paradies zu der Zeit. Er hat’s nicht hinterfragt, er hat das einfach genommen, wie es ist. Und er hat dann gesagt: „Du, wenn das mit dem Sex immer so ist, dann kannst du dich ruhig öfter verlieben.“ Und hat halt so seinen Vorteil aus der Sache erkannt.

Ich habe halt auch nicht den Fehler gemacht, den viele machen, die sich verlieben, die dann beim Partner megaschlechtes Gewissen haben, beim Partner irgendwie grantig, schlecht gelaunt, unzufrieden, traurig sind. Sondern ich habe das genossen. Ich habe diese zweite Liebe in mir genossen. Ich hab’s mir erlaubt, ich hab’s genossen, ich hab’s ausgelebt in jeder Phase meines Körpers mit meinem Mann sozusagen, und war besser drauf als sonst. Wie man halt so ist, frisch verliebt, und habe das Ganze in meine Beziehung, diese Liebe in meine Beziehung mit reingepackt.

Eine offene Beziehung kann zu mehr Nähe führen

S:      Ja. Jetzt klingt das total schön. Ich erinnere mich jetzt nur gerade an eine meiner ersten Beziehungen – eigentlich war es meine zweite – wo ich mich auch zwischendurch mal in wen anderen verliebt habe. Und ich kann mich erinnern – ich glaube, ich hätte das nicht geschafft so wie du. Weil mein damaliger Partner war ja nicht der, den ich jetzt so begehrt habe. Im Gegenteil – also wenn der dann zu dem Zeitpunkt mir körperlich nahe sein sollte, war mir das richtig unangenehm. Ich frage mich jetzt natürlich, ob das was mit der Konvention Treue zu tun hat, mit der ich auch ganz klassisch großgezogen worden bin, muss man auch dazu sagen. Aber unabhängig von dieser Konvention weiß ich es nicht, ob ich es heute auch so schaffen würde. Das finde ich ganz spannend, weil ich frage mich tatsächlich – hast du eine Antwort darauf, eine Idee darauf? Also bei dir war das gar nicht so, dass du Andy nicht mehr nahe sein wolltest?

M:    Überhaupt – ich hab dann dieses Buch gelesen: „Treue ist auch keine Lösung“. Und in dem Buch steht ein Satz: „Liebe wird mehr durch Lieben.“ Und dadurch, dass ich mich verliebt hatte in jemand anders, habe ich mich auch nochmal zusätzlich neu verliebt in den Mann. Das war ganz schräg. Ich habe einfach mehr Liebe gefühlt als vorher, für beide Personen. Und ich hatte ich nie das Thema, dass ich meinen Mann irgendwie nicht begehre oder so. Es war halt einfach, meine Lust auf Sex ist halt einfach weniger geworden im Laufe der Zeit. Und ich habe festgestellt dann, durch unsere Sex-Krise habe ich halt einfach angefangen fremdzuflirten. Weil ich festgestellt habe, über so einen Reiz von außen kann ich mein Kopfkino gut anschalten und kann das dann in meiner Beziehung gut ausleben. Also ich habe das vorher schon geübt sozusagen, mich zu animieren woanders, um es dann in meiner Ehe auszuleben.

Und der zweite Punkt, den ich dazu habe ist: Ich wusste genau, dass meine Fremdliebe – ich war zwar total verliebt, wirklich mit nichts essen, nicht mehr schlafen können – also wir haben schon immer Kontakt gehabt, aber ich habe dann halt mal zwei Wochen gar nichts von dem gehört, und dann hat er wieder geschrieben, dann war ich wieder plötzlich im Himmel. Dann hat er wieder ewig nichts geschrieben, dann hatte ich Liebeskummer. Also ich hatte schon auch diese ganzen emotionalen Achterbahnfahrten.

Nur, ich wusste, ich würde mit dem nicht leben wollen. Das war mir völlig klar, das ist nur ein sexueller Reiz. Das hat nichts mit wirklich Realität und Leben zu tun, sondern es ist nur Lust. Der ist eine komplett andere Persönlichkeit als mein Mann. Ich finde meinen Mann viel, viel toller insgesamt, von der ganzen Persönlichkeit her. Es war einfach nur dieser sexuelle Reiz. Und ich wusste, dass mein Gehirn mich ja auch des Öfteren mal bescheißt, weil ich ja sehr reflektiert bin. Die meisten, die sich fremdverlieben, glauben: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben.“

S:      So heißt es ja auch so schön in dem Lied.

M:    Genau. Und das stimmt de facto nicht. Das ist nach zwei, drei, fünf Jahren stehen sie an demselben Punkt wie in der jetzigen Beziehung. Und das ist einfach Bullshit, dass die neue Person alles plötzlich rosarot zaubert. Es wirkt nur so – und das war mir bewusst. Und auf das konnte ich eben meinem Mann sehr nahe sein über diese Mehrliebe, die ich eh gespürt habe. Und ich merkte: Die Lust, die tut mir richtig, richtig gut. Uns beiden tut sie richtig, richtig gut. Ich habe einfach aus allen Aspekten das Positive mir gezogen.

S:      Ja. Und hätte denn Andy dann damit ein Problem gehabt, wenn das dann auch körperlich geworden wäre mit diesem anderen Mann? Habt ihr das je besprochen?

M:    Also damals hatten wir das nicht besprochen. Ich wollte tatsächlich – also ich hab da alles versucht, um das irgendwie so hinzukriegen, und hab mir dann gedacht: „Mei, und wenn’s dann irgendwie rauskommt, dann stehe ich dazu, und dann werden wir’s entweder packen oder nicht, mein Mann und ich. Also ich habe mir gedacht: Ich will das jetzt, und wenn ich das jetzt auslebe, und es kommt dann irgendwie raus – dann muss ich’s halt irgendwie auslöffeln die Suppe, die ich mir eingebrockt habe. Im Nachhinein haben wir ja viel immer wieder darüber gesprochen und haben ja dann unsere Beziehung auch geöffnet, wo mein Mann gesagt hat, sein höchster Wert ist Freiheit. Der findet den Gedanken sensationell, da frei zu sein. Obwohl er sagt, er hat gar keine Bedürfnisse irgendwie nach anderen Frauen. Nur grundsätzlich den Gedanken, dass er da so frei ist, findet er super. Und selbiges bei mir. Ich weiß nicht, wie es damals ausgegangen wäre, wenn ich ihn betrogen hätte. Keine Ahnung. Es kam nie –

S:      Hättest Du es als Betrug empfunden?

M:    Ja, definitiv. Im Sinne von, ich hätte etwas getan, was man so nicht tut, „man“ – weil ich ja auch in dieser klassischen Treue großgeworden bin und ja auch unsere Beziehung so war, unausgesprochen. Also ich hätte schon das Gefühl gehabt, ich mache was, was nicht richtig ist. Auf der anderen Seite habe ich aber dieses Gefühl gehabt in mir drin, das fühlt sich so super an, und ich will das, und es ist ja schließlich meine Entscheidung. Und ich gehöre niemandem. Und auch das hatte ich auch als Wahrheit in mir. Und dadurch konnte ich auch dieses Konzept noch stärker hinterfragen als mich selbst.

Wie wir offene Beziehung leben

S:      Aber ihr habt ja dann eure Beziehung auch neu definiert. Du sagst ja auch, ihr habt sie geöffnet. Wofür seid ihr denn jetzt offen? Also seid ihr für mehr als Flirten offen?

M:    Ja. Ja.

S:      Okay. Und erzählt ihr euch das?

M:    Also wir haben jetzt – letztes Jahr hatten wir mal eine lustige Situation, weil wir hatten viel darüber gesprochen über das Thema offene Beziehung, und wir hatten es aber nicht in der Praxis. Und dann habe ich mir immer gedacht: Ich kann ja nicht irgendwie da ständig darüber schreiben, aber ich tu’s nicht. Das geht ja nicht, das ist ja nicht authentisch. Und dann haben wir uns halt zusammengesetzt, mein Mann und ich. Er hat einen Packen Kondome gekauft und hat gesagt: „Schau da, du kriegst die eine Hälfte, ich nehm die andere Hälfte. Und dann schauen wir mal, wie das in der Praxis …“

S:      Ist nicht wahr! Wirklich! Und? Ihr hat die echt aufgebraucht?

M:    Nein, haben wir nicht. Also das eine ist, dass die Männer, wenn ich dann Kontakt habe zu anderen Männern, die haben meistens Kondome dabei. Ich brauch gar keine eigenen. Und das war dann so, dass der Andy drei Wochen nach Indien gefahren ist und ich mir gedacht habe so in dieser Zeit: So, jetzt will ich’s wissen! Und habe dann über Tinder auch einfach viele Männer gedated und kennengelernt und dann auch das eine oder andere ausprobiert. Hab’s ihm dann auch erzählt, als er wiedergekommen ist von Indien. Hab ihm über meine Erfahrungen berichtet und so, und ich hab’s ja auch öffentlich geschrieben. Also in meinem Blog. Und er hat mir dann eben auch von einer Begebenheit erzählt, schon bevor er nach Indien gefahren ist, hat er eine Frau kennengelernt, die er ganz toll fand, und hat mir halt davon erzählt. Und wir hatten aber die Abmachung: Keiner muss was erzählen, aber wenn wir denn wollen, dann können wir das tun. Also so – wir sind da völlig easy. Und da hat er gesagt: „Ah ja, wenn du es mir erzählst, dann erzähle ich es dir jetzt auch.“ Und haben dann da nochmal intensiv darüber gesprochen. Auch das Thema Eifersucht war ein Thema bei mir. Also ich war eifersüchtig, er nicht. Super lustig.

S:      Das hast du schon ein paarmal erwähnt, auch in deinem Blog: Also Andy ist da völlig befreit.

M:    Der ist da völlig entspannt. In den Interviews werden wir das oft gefragt, wenn wir da so Interviews gemeinsam haben. Dann ist das immer eine Frage, und er sagt immer: „Ich habe das nicht, muss ich da jetzt irgendwas Anderes sagen?“ Und ich: „Nein, ist alles gut! Wenn du das nicht hast, wie geil ist denn bitte das? Ich will da auch hin, absolut!“ Und der ist sich völlig sicher, sich selbst, und sagt, wenn ich jetzt zu einem anderen Typ hingehe, dann kann ich das eh nicht verhindern. Und ich denke auch so. Nur grundsätzlich denke ich mir dann so: „Boah, das geht jetzt gar nicht. Jetzt muss ich mich da anstrengen.“ Und irgendwie – keine Ahnung. Was auch unserer Beziehung nicht schadet, weil tatsächlich auch wieder mehr Energie, mehr Engagement in einer Beziehung stattfindet. Die Eifersucht auch ins Positive zu kehren und zu sagen: „Okay, da ist eine Eifersucht, die tut weh, da habe ich Angst.“ Wir reden dann drüber, über meine Ängste. Weil ich sag: „Ich will dich ja nicht hergeben!“ Dann sagt er: „Schatzl, du gibst mich doch nicht her!“ So. Und dann auch das ins Positive zu wandeln und zu sagen, ich engagiere mich mehr in der Beziehung, dass er gar keinen Grund hat, mich herzugeben.

Fühlt man sich in einer offenen Beziehung auch mal unter Druck?

S:      Mir fallen dazu zwei Dinge ein. Nummer 1: Wäre es denn für dich vielleicht anders gewesen, wenn du selbst keine – ich sage jetzt mal – Fremdkontakte gehabt hättest und er schon? Also sprich: Ich frage mich gerade so, wie ist das denn, wenn das nicht ausgewogen ist? Oder fühlt man sich dann als Partner vielleicht unter Druck gesetzt, so: Oh mein Gott, jetzt haben wir offene Beziehung vereinbart, mein Freund oder mein Mann, egal, hat jetzt schon fünfmal andere Frauen irgendwie gehabt und ich gar keinen oder nur einen. Kommt man dann unter Druck irgendwie auch? Ich stelle mir vor, es macht es leichter, wenn man selbst quasi ein bisschen zumindest mithalten kann. Dann hat man glaube ich das Gefühl dieser Ausgewogenheit. Und ich erlebe halt in meiner Praxis ganz oft eher Leute, die dem Konzept zustimmen, um den Partner nicht zu verlieren, es aber nicht mittragen emotional in Wahrheit. Sie leiden dann natürlich wie ein Hund an der Tatsache, dass der Partner oder die Partnerin nebenbei immer wieder eine andere Gespielin hat. Sie müssen gar nicht ernsthaft sein. Aber sie selber können es eben nicht ausleben, und das führt dann irgendwann zu, ja, einer echten Depression, möchte ich jetzt fast schon sagen, im Sinne von, dass es den Selbstwert noch mehr untergräbt. Zum einen: „Jetzt kann ich schon meinen Partner/meine Partnerin nicht „halten“ (unter Anführungszeichen) in einer monogamen Beziehung. Dann mache ich die halt auf. Und dann gelingt es mir aber noch dazu auch noch nicht mal, andere irgendwie zu animieren, was mit mir anzufangen! Also ich bin ja wohl echt der oder die „Letzte“ (unter Anführungszeichen) in Beziehungsthemen!“ Erlebst du das, dass es da manchmal schwierig wird?

M:    Definitiv. Zum einen: Offene Beziehung ist jetzt nicht das Allheilmittel. Weil grundsätzlich geht es immer um etwas völlig anderes. Also es geht gar nicht vorrangig um Sex. Sondern es geht um das Thema Autonomie, Selbstbestimmtheit, Neugierde, was Neues zu erleben usw. Es geht auch immer darum, die Beziehung weiter zu entwickeln und nicht einfach irgendetwas zu leben, was der Partner will, um mich zu verbiegen, was ich eigentlich gar nicht will – sondern zu sagen: „Okay, wie können wir denn unsere Beziehung anstatt auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner mit ‚Ich bin eifersüchtig und er nicht, und jetzt müssen wir aber trotzdem treu sein, weil ich eifersüchtig bin.‘ auf den größten gemeinsamen Nenner“, aber die Betonung liegt auf dem größten gemeinsamen Nenner und nicht: „Ich gehe jetzt auf einen Nenner, mit dem ich eigentlich gar nicht leben kann, nur um ihn nicht zu verlieren.“ Das ist ja schon ein Bullshit im System! Weil wenn mein Partner nicht mit mir bereit ist, einen Konsens irgendwie zu erarbeiten, dann ist das ja mit der Beziehung so nicht weit her. Wenn der sagt: „Ja, ich will aber eine offene Beziehung! Mir wurscht, was du dazu sagst!“ Dann hat das nicht viel mit Beziehung zu tun. Nur wenn ich sagen kann: „Okay, ich hab da meine Ängste, ich entwickle meine Persönlichkeit, ich stärke mein Selbstvertrauen – zu einer offenen Beziehung gehören zwei sehr reflektierte Menschen, die ein sehr hohes Maß an Beziehungsfähigkeit und an Selbstwertgefühl haben. Alles andere ist Kompensation, Verdrängung, und das wird never ever funktionieren.

Eifersucht und offene Beziehung

Und das ist dann der Punkt, wenn eben dann einer Außenkontakte hat und der andere nicht, dass dann das Thema Neid zum Tragen kommt usw. Also ich kenne offene Beziehungen, die sind super-entspannt, so lange beide jemanden haben. Aber wenn dann eine Außenbeziehung wegbricht, ist plötzlich Eifersucht und Zickereien an der Tagesordnung. Wo ich sag: Sorry, aber dann habt ihr eure Hausaufgaben nicht gemacht. Dann habt ihr euch nicht um das gekümmert, um was es wirklich geht, um das, dem anderen zu vertrauen, und zwar grundsätzlich zu vertrauen. Egal ob der jetzt Sex mit jemand anderem hat und du gerade nicht oder umgekehrt oder wie auch immer.

Und ich selber habe das auch so erlebt. Also wir hatten unsere Beziehung geöffnet, also darüber gesprochen und haben gesagt: „Lass uns das doch einfach so leben, so ein anderes Beziehungskonzept und so.“ Und mein Mann ist dann kurz darauf auf ein Seminar gegangen. Tolle Seminare, und bei tollen Seminaren lernt man immer tolle Menschen kennen. Und ich saß dann daheim und habe ihn an einem Abend nicht erreicht auf dem Handy. Er ging nicht dran, und irgendwie, da dachte ich mir: „Scheiße, wenn das jetzt so ist! Ich habe gerade die Beziehung geöffnet, und jetzt hat der schon jemand! Oh Gott, und ich habe niemanden, oh mein Gott!“ Und ich habe wirklich, ich bin dann den ganzen Abend durch diese ganzen Gefühle durchgegangen. Der Neid, die Angst, die Eifersucht, alle diese Gefühle bin ich durchgegangen, habe mich damit auseinandergesetzt und habe mir dann wirklich überlegt: Okay, was ist das, was ich eigentlich will?

Und das was ich will, ist ihm zu gönnen, den Spaß seines Lebens zu haben. Ob ich den jetzt gerade aktuell auch habe oder nicht. Also das ist das, was ich will: Gönnen können. Wirklich offen zu sein im Sinne von: Wenn der Spaß hat – go! Wenn der nach dem Seminar wieder zu mir kommt und alles gut ist, ist ja alles okay. Wenn er dann irgendwie sagt: „Na ja, ich muss jetzt über alle Berge düsen“, dann kann ich es eh nicht ändern. Also dann muss ich auch einen Weg finden, um damit klarzukommen. Also das geht immer bei sich selbst los. Und das Selbstwertgefühl ist eben: Ich kriege es hin, mein Leben gut, glücklich, entspannt, lustig zu gestalten – ob der jetzt da ist oder nicht.

S:      Das ist ja grundsätzlich eine Haltung, die in jeder Beziehung, egal ob jetzt monogam oder offen oder polyamor. Also grundsätzlich, das predige ich ja auch immer mit meinen Klienten und Klientinnen: „Du, die wichtigste Beziehung ist die zu dir. Und dann kann es von dir aus weitergehen und das ausdehnen auf deinen Partner, auf deine Kinder, auf weiß ich nicht was. In dem Moment, wo du dauerhaft – natürlich gibt es immer Phasen, wo das anders ist – aber in dem Moment, wo du dauerhaft die Beziehung zu jemandem anderen über die zu dir selbst stellst, ist es eigentlich schon vorbei.“ Also da geht’s dann gar nicht.

M:    Es knallt sowieso immer, weil – also die Leute sagen ja immer: „Ja, eine offene Beziehung kann ja gar nicht funktionieren. Ich kenn keine, die funktioniert.“ Nur ich kenne auch kaum monogame Beziehungen, die wirklich funktionieren. Weil eine Beziehung gar nicht gedacht ist su: „Ich hab jetzt den Partner meines Lebens, jetzt ist Happy End für immer.“ So ist Beziehung nicht gedacht, sondern es wird immer Herausforderungen geben. Es wird immer Möglichkeiten geben, sich weiter zu entwickeln. Ob über die Kindererziehung, über die Schwiegereltern über Geld, über Hausarbeit. Es gibt immer Themen – in geschlossenen, in offenen, in polyamoren Beziehungen. Das ist einfach so!

S:      Tatsache ist ja auch, dass ich abgesehen jetzt von dir noch ein paar andere Pärchen kenne, die offene Beziehungen leben – wobei ich erlebe, in der Praxis verschwimmen diese Begriffe zwischen „offen“ und „polyamor“ sehr. Es macht für mich jetzt – es ist ja auch nur eine rein wissenschaftliche Definition. Im Grunde genommen müssen sich das die Paare eh selbst ausmachen. Das Interessante für mich ist, dass ich fast den Eindruck habe: Die, die bekennend offen leben, haben eigentlich die monogamsten Beziehungen. Also im Sinne von: Die dürften …

M:    … aber sie tun es nicht!

S:      … selten. Interessanterweise habe ich das Gefühl, dass es seltener der Fall ist. Also Flirten usw. ja. Das ist ja in manchen monogamen Beziehungen auch schon ein No-go, das ist mir schon bewusst, aber das ist jetzt ein anderes Themenfeld. Aber die dürfen – und dann habe ich trotzdem das Gefühl – also ich kenne wesentlich mehr offiziell monogame Beziehungen, die inoffiziell ganz etwas anderes darstellen, ja? Wo einer fremdgeht, dass es kracht, und der andere sich blind stellt zum Beispiel, das Ganze der Kinder zuliebe, oder was auch immer die Gründe dafür sind.

Bei offener Beziehung geht es nicht nur um Sex

Jetzt hast du einen sehr schönen Gedanken hineingebracht, den ich noch nicht so parat hatte, nämlich: Es geht beim Öffnen der Beziehung nicht oder nicht nur um die Möglichkeit, mit anderen Menschen Sex zu haben. Also du hast das ja eigentlich jetzt auf einen viel, wesentlich höheren Wert hinaufskaliert, nämlich dass du sagst: Es geht um Freiheit zum Beispiel, um jetzt Andys Werteskala herzunehmen. Es geht um die Möglichkeit zumindest, sich frei auszuleben, vielleicht auch die Tatsache, ohne schlechtes Gewissen mal zu flirten und sich zu verlieben, egal ob man es jetzt dann auslebt oder nicht, da kann man ja noch immer Grenzen einziehen dann. Aber auch mal zu wissen: Hey, ich kann! Das sehe ich schon als Vorteil. „Ich kann mit meiner Partnerin über so was reden. Das darf passieren, und ich kann mit meiner Partnerin oder meinem Partner darüber sprechen, ohne dass ich Angst haben muss, dass der sofort über alle Berge ist.“ Also da kommt eine ganz andere Wertigkeit hinein, das finde ich sehr spannend. Weiß ich nicht, ob das im allgemeinen Gebrauch so bedacht wird, wenn man über dieses Thema spricht. Nichtsdestotrotz ist mir bewusst, dass das nicht viele – oder breitenwirksam ist das noch lang nicht. Ich weiß auch nicht, ob es das jemals wird, egal.

Also, ich muss wirklich gestehen, es ist erschrecken, ich habe zurückgedacht, aber es ist fast zehn Jahre her. Und ich habe das schon gelebt, da war der Begriff – also „offene Beziehung“ und „Polyamorie“ gab es damals in meinem Sprachgebrauch noch gar nicht. Und um die jetzige Definition zu verwenden, hatten wir wohl eine offene Beziehung, wo ganz klar war: Wir sind die Hauptbeziehung, und die anderen sind halt unter „Ferner liefen“, sagen wir mal so. Wir haben auch uns gegenseitig alles erzählt. Und gescheitert ist das Ganze dann, als er eine gleichrangige zweite Beziehung führen wollte, also im Sinne von eigentlich dann polyamor werden wollte, wo ich dann gesagt habe: „Nee, da steige ich jetzt aus!“

Offene Beziehung und Liebe

Und was ich mich aber die ganze Zeit noch frage und das auch wieder an dich zurückgebe ist: Ich konnte das – ich kam mir auch wahnsinnig mondän vor damals, muss ich auch dazu sagen, eben weil das hat ja noch niemand gehabt. Das ist so wie wenn du das erste Tattoo im Dorf hast, Nabelring hast und so. Und dann bist du die Erste, die so eine Beziehung führt, und wow, und deine Freunde sagen: „Bist du wahnsinnig? Wie geht denn das?“ Und ich so: „Ach nee, das geht schon mit viel Vertrauen und viel Reden“ und so blabla. Und dann bin ich eh schön auf die Schnauze gefallen damit dann nach ein paar Monaten. Aber – und das ist der Punkt: Ich muss gestehen, rückblickend war das nicht einer meiner größten Lieben, dieser Mann. Also ich weiß nicht ob – also es gab Männer, die mir herzenstechnisch deutlich nähergegangen sind, so leid es mir tut. (Also ich hoffe, du hörst jetzt gerade nicht zu!) Ich weiß nicht, ob ich’s mit denen geschafft hätte.

Also hast du noch so einen Tipp vielleicht – diese Frage Angst, Treue, Besitzdenken, das spielt ja da alles mit hinein. Also Angst, den zu verlieren, wäre wohl meine größte Hemmschwelle gewesen, ja, und das war mir eben bei dem, der nicht so eine große Liebe für mich war, halt für mich nicht so – weißt du? Also, und jetzt frage ich mich natürlich für alle da draußen, die sich vielleicht sowieso denken: „Meine Güte, sind das zwei verrückte Hühner!“ Aber gibt’s denn so was, was du mitgibst zum Thema Angst? Also ich gehe jetzt ganz bewusst gar nicht auf die Eifersucht mal ein, weil die ist so groß, da können wir gleich einen weiteren Podcast drüber starten. Aber diese Angst, den Partner zu verlieren?

M:    Also, es ist tatsächlich so, dass nicht jede Beziehung zu jedem Zeitpunkt auch für eine offene Beziehung geeignet ist, meiner Ansicht nach. Wenn man sich frisch verliebt, dann ist es definitiv nicht der Punkt, über eine offene Beziehung nachzudenken. Also, ich kenne da ein paar Männer, die sagen: „Ich führe nie wieder eine monogame Beziehung!“ Und die sagen beim ersten Date quasi schon: „Übrigens, ich will nur offene Beziehungen.“ Wo ich sage: „Nee, das ist zu früh! Gib der doch ein Stück Zeit, dich kennenzulernen und Stück für Stück für Stück über das Thema „Wie wollen wir Beziehung leben?“ zu reden.

Dann ist das so, dass ich am Anfang meiner Ehe oder meiner Beziehung, da wäre das überhaupt gar kein Thema gewesen, wir wären da völlig jenseits gewesen von offene Beziehung. Das hat sich erst im Laufe der Jahre halt entwickelt über das Thema – das erste Mal, dass wir darüber gesprochen haben, war das mitten in der Sex-Krise. Wo mein Mann gesagt hat: „Du, wenn du keine Lust mehr hast auf Sex. Du, ich hol mir den auch woanders.“ Wo ich gesagt habe: „Spinnst du? Ich geb dir doch jetzt keinen Freibrief zum Fremdgehen!“ Nur, dann habe ich zum ersten Mal darüber nachgedacht und hab mir gedacht: „Na ja, so doof wär das eigentlich gar nicht, so ein bisschen Unterstützung zu kriegen von jemand anderem.“ Und hab mich da diesem Gedanken zum ersten Mal geöffnet, im Sinne von: Das hat vielleicht nicht nur Nachteile.

Und das ist einfach so, über eine langjährige Beziehung – der Andy ist mein absoluter Herzensmensch. Und ich kann ihn schon gehen lassen zu anderen Frauen, so lange ich das Gefühl habe, der kommt immer wieder. Die Angst kommt dann natürlich. Und in dem, dass ich mit ihm dann spreche und gesagt habe: „Du, ich hab da echt Angst, dass da mal irgendwann eine dabei ist, wo du dann sagst: ‚Boah, jetzt finde ich die cooler und besser und toller!‘ Und du bleibst dann bei der.“ Weil natürlich, wenn wir die Beziehung öffnen, ist halt die Gefahr noch stärker, weil er die Frauen halt näher kennenlernen kann. Und über diese Angst haben wir gesprochen, und er hat mir ein schönes Bild gegeben, was mir wirklich sehr, sehr geholfen hat. Er hat gesagt: „Ganz ehrlich, wenn ich an unsere Zukunft denke – alle meine Bilder in meinem Kopf, all meine Ziele, da bist immer du an meiner Seite.“ Also er sieht seine Zukunft mit mir, und auch tatsächlich bis der Tod uns scheidet, was immer das heißen mag. Also dieses wir wollen tatsächlich gemeinsam alt werden. Und dafür tun wir eine ganze Menge. Und dieses Beziehung öffnen ist mehr – ist auch, um das zu unterstützen, weil wir sagen, dadurch können wir auch unseren Trieb nach Neugierde ausleben, nach Selbstbestimmtheit, nach Freiheit usw., weil uns das besser tut, als uns einzuschränken und wir dadurch eine größere Chance sehen, unsere Beziehung wirklich lange glücklich zu halten. Und das wiegt einfach schwerer als die Angst. Und ich bin halt auch ein Mensch, wo ich sage: Wir sind hier auf diesem Planeten nicht, um Angst zu haben, sondern um unsere Angst zu überwinden und auch zu kucken: Okay, wo kommt die Angst her? Ist es so ein Ego-Gedöns, ist es eben Selbstwert – was ist es genau? Um dann im Idealfall darüber hinauszuwachsen.

Treue in einer offenen Beziehung

S:      Wie definiert ihr Treue?

M:    Treue bedeutet: Jeder ist sich selbst treu. Also jeder lebt das Leben, was er wirklich leben möchte, und das gelingt uns in vielen Teilen sehr gut, und vielen Teilen noch nicht, wo wir immer uns darüber unterhalten: „Okay, wo leben wir noch nicht das, was wir wirklich leben wollen?“ Der Andy ist so ein Reisender, der würde viel lieber viel mehr noch reisen. Nur er stemmt halt noch den Hauptteil unseres Familieneinkommens noch – oder ein bisschen mehr als ich. Sobald ich ihn jetzt finanziell mal überholt habe, kann ich ihm natürlich die Freiheit geben, noch mehr zu reisen. Weil dann muss er nicht so viel arbeiten, und dann kann er wieder mehr reisen, und dann lebt er mehr das, was er leben will. Für uns ist das ja nicht nur auf Sex bezogen, sondern wir sehen da ganz viele Menschen, die an sich selbst komplett vorbei leben, die irgendwelche Jobs tun, die ihnen keinen Spaß machen, die irgendwelche Konzepte leben, die gar nicht ihnen wirklich entsprechen. Und da unterhalten wir uns auch viel drüber: Wie ist denn wirklich das, was du wirklich, wirklich leben willst? Wie stellen wir uns das vor in zweieinhalb Jahren, in fünf Jahren, in zehn Jahren – wie soll das ausschauen? Und das ist für uns mehr die Treue zu sich selbst und die Treue zu den eigenen Träumen. So würden wir Treue definieren.

S:      Also wenn ich dir so zuhöre und mitdenke quasi, komme ich wieder darauf, dass die meisten Beziehungen, die ich kenne, sich über drei Ebenen definieren: Nämlich über Liebe, über Sex und über Treue. Ja? Jetzt könnte man bei euch sagen: Na gut, die Treue bricht mal weg in der klassischen Definition. Und der Sex – dadurch dass er ja nicht mehr nur auf euch exklusiv ausgerichtet ist … ist zumindest ein geschwächter Teil. Sagen wir jetzt mal so. Ich benutze das jetzt echt auch nur als Bild. Und jetzt habt ihr trotzdem, so wie du es erzählt hast, ein wahnsinnig starkes Committment zueinander. Gut, du nennst das halt nicht Treue. Aber wenn ich mit meinem Partner sitze und den frage, und der sagt mir: „Du, ich sehe uns in zehn Jahren noch immer gemeinsam.“ Dann ist das ein Committment, zumindest mal ein verbales. Hast du denn das Gefühl, dass eure Liebe – um jetzt eben diesen dritten Pfeiler, weil einer muss es ja tragen – wenn jetzt die Treue mal „weg ist“ (unter Anführungszeichen) oder nicht in diesem klassischen Sinne definiert ist, der Sex auch geöffnet ist für andere – gut – hast du denn das Gefühl, dass es für eure Liebe eine – also nicht nur einen neuen Aufschwung, sondern generell vielleicht sogar auf so etwas wie eine neue Ebene gebracht hat?

M:    Absolut.

S:      Ja.

M:    Seid ihr euch näher als vorher?

S:      Ja. Also zum einen schon diese Sex-Krise hat extrem viel bewirkt. Wir haben halt da viel gelesen und uns wirklich damit beschäftigt, uns auch auseinandergesetzt, uns darüber unterhalten. Und das hat auch schon eine Nähe erzeugt, die auf einer ganz anderen Ebene stattfindet als die meisten Paare, die ich kenne, die erzeugen diese Nähe nicht. Wir unterhalten uns auch in einer Ehrlichkeit, aber nicht im Sinne von: Ich muss ihm jetzt alles sagen, sondern: Ich darf auch ganz ehrlich meine Geheimnisse haben, und ich darf auch ganz ehrlich ihm mal was nicht erzählen. So eine Ehrlichkeit erstmal sich selbst gegenüber, um dann – ich muss ihm nicht alles ganz ehrlich erzählen. Muss ich nicht. Es ist mein Leben, das bin ich, ich bin ich! Und unsere Liebe ist – also Liebe ist ja so ein Pfeiler, wo die Menschen dann oft sagen: „Ja, ich weiß gar nicht, ob ich ihn noch so liebe wie früher“ und so. Und ich sag: „Der Pfeiler Liebe allein ist mir zu schwach“, weil diese Liebe so Schwankungen unterliegt. Das ist – mal liebt man den Partner total innig und fühlt diese Liebe von ganzem Herzen, und am nächsten Tag geht der dir fürchterlich auf den Senkel, und du denkst: „Boah, wann fährt der mal wieder drei Wochen nach Indien?“ Das ist in einer Beziehung einfach so. Ich fühle nicht jeden Tag dieselbe Liebe für meinen Partner. Ich liebe den von Herzen, und er geht mir manchmal furchtbar auf den Keks. Das ist so. Und ich ihm, ganz normal. Es ist eine Art Entscheidung. Wie du sagst: Committment. Wir haben uns füreinander entschieden. Und ich weiß, auch wenn der mir mal fünf Tage am Stück auf den Nerv geht, dass ich mich nicht am sechsten Tag jetzt trennen muss, sondern dass es dann auch wieder sich wandelt, und dann kommt wieder mehr Nähe, dann kommt wieder mehr Distanz, dann führen wir die Distanz auch räumlich herbei, im Sinne dass wir sagen: „Ich muss jetzt mal wieder auf Geschäftsreise oder aufs Seminar“ und her halt auf eine andere Reise oder was auch immer, dass wir diese Nähe/Distanz auch immer in einer ausgewogenen Dosis leben. Und so können wir unsere Liebe, die jetzt für uns als alleiniger Pfeiler gar nicht halten würde, meiner Ansicht nach, sondern es ist wirklich Liebe, es ist eine Entscheidung, es ist Committment, es ist definitiv Sex bei uns. Also das ist ein großer und wirklich sehr wichtiger Pfeiler. Wir haben super-coolen Sex miteinander, und der ist echt ein Traum, wo ich immer sage: „Wenn das alle so erleben würden – ich würd’s euch gönnen!“

S:      … wär die Welt ein besserer Platz!

M:    Ja. Und auch gerade, dadurch, dass wir das geöffnet haben, ist der Sex halt einfach auch noch intensiver, besser geworden. Und wie gesagt, wir sind mega-monogam – weil bis ich mal mit jemand anders wirklich jetzt Sex habe, muss schon viel passieren, weil der kommt an den Sex, den ich jetzt daheim habe ja gleich überhaupt nicht hin, wo ich mir dann denk – also da muss schon ein bisschen eine Herzensverbindung oder auch starke Herzensverbindung stattfinden, weil ansonsten langweilt mich das. Dadurch ist eben das Gefühl der Freiheit so viel wichtiger als Sex zu haben. Das ist oft ganz unwichtig. Ich hab Sex mehr als genug.

Hilfe ich bin betrogen worden – ein Selbsthilfekurs

Back to Love Melanie Mittermaier

S:      Ja. Melanie, du hast einen Kurs herausgebracht zu dem Thema Betrug ja auch, in dem du über – ich weiß jetzt gar nicht, sind es 30 Tage? Nein, zehn Tage, oder wie?

M:    Es sind zehn Module.

S:      Zehn Module waren es, genau. Menschen – Frauen wie Männer, wenn ich es richtig verstanden habe?

M:    Also da im ersten Kurs spreche ich jetzt tatsächlich konkret die Frauen an – die Frauen, die von ihren Männern betrogen worden sind. Weil ich glaube, ein Mann, der betrogen wird, der würde jetzt sich nicht nach so einem Kurs umschauen. Keine Ahnung. Das ist wahrscheinlich nur ein Glaubenssatz, aber ich glaube,  die Männer würden entweder sich rächen, auch fremdgehen, oder die würden das anders lösen. Deswegen ist der Kurs jetzt tatsächlich konkret für Frauen gedacht, die betrogen worden sind von ihren Männern. Weil Männer und Frauen einfach unterschiedlich mit dem Thema umgehen. Und eine Frau, die fällt in ihrem Selbstwertgefühl runter, die geht in so eine Krise. Der zieht’s den Boden unter den Füßen weg. Die hat das Problem: „Wie vertrau ich ihm wieder? Wie habe ich wieder Sex mit ihm?“ Und solche Geschichten. Das ist aus meiner Sicht mehr so ein weibliches Ding.

S:      Und du unterstützt in dem – ich weiß jetzt nämlich auch wieder, wie ich auf die 30 Tage gekommen bin – weil du hast mich ja freigeschaltet, und ich habe mich ein bisschen umgesehen in dem Kurs, der wirklich auch ganz viel, viel, viel, viel, viel anbietet, und du hast ja drei Videos pro Modul. Und jetzt weiß ich auch wieder, wie ich auf die 30 kam. Weil – da gibst du ja ganz, ganz viel mit. Und die Idee ist also was jetzt – die Frauen, die betrogen wurden sind, kommen jetzt zu dir, buchen diesen Kurs – im Übrigen, nach dem was ich weiß, sind es ja nicht nur die Videos, sondern es sind ja auch die Worksheets dabei, und du machst ja dann auch noch Telefonkonferenzen auch noch, mit allen, die da gerade teilnehmen dran. Aber was ist denn so das Endziel von diesem Kurs, oder wo stehe ich denn, wenn ich diesen Kurs mitgemacht habe dann?

M:    Also das Endziel ist tatsächlich nach einem Betrug – oder auch Frauen, die sehr eifersuchtsgetrieben sind, die vielleicht noch gar nicht betrogen worden sind aber die grundsätzlich immer diese Angst haben: „Da könnte mich jemand betrügen“ oder so. Ich möchte denen ein neues Verständnis geben von Treue, von Beziehung, von – es sich selbst mitgeben, dass die am Ende dieses Kursen eben erstens ihrem Partner wieder vertrauen, und zwar vertrauen im Sinne von: „Ich schenke Vertrauen, er muss es sich nicht mühsam jetzt erarbeiten indem, dass er mir jetzt tausend Stunden lang beweist, wie brav er jetzt ist.“ Sondern nach einem Betrug erstmal diesen Betrug zu verarbeiten, um dann Stück für Stück wieder ins Vertrauen und in die Liebe zu gehen. Das ist so der eine Faktor. Und der andere ist eben, auch selbst wenn sich die Frau von dem Partner jetzt getrennt hat, weil sie sagt: „Na ja, damit kann ich nicht leben.“ Dass die dann in ihre neue oder in die nächste Beziehung mit einem anderen Basisverständnis von Beziehung von sich selbst, von Treue usw., neue Beziehungen lebt. Also mir geht’s darum, die Beziehungsfähigkeit auf einen höheren Level zu heben, im Sinne von: „Ich bin entspannter, ich bin lustiger, ich bin glücklicher in meiner Beziehung – auch in der bestehenden, wenn ich denn verziehen habe oder es verzeihen kann. Ich habe wieder Sex, ich kann meinen Partner auch wieder allein irgendwie auf die Straße schicken.“ Solche Dinge. Oder eben: Ich gehe jetzt in eine neue Beziehung, aber ich gehe das von vornherein ganz anders an, im Sinne von: Wer bin ich? Wo will ich hin? Wie kann ich meine Ängste besser überwinden? Usw. Also grundsätzlich.

S:      Das heißt also, es hat schon auch ganz viel mit Selbstwert und Selbstverständnis zu tun, mit Beziehungsverständnis, Beziehungsfähigkeit. Bin ich denn auch richtig bei dir aufgehoben, wenn ich mir jetzt denke: „Die Melanie ist ja so auf offene Beziehung und so frei, und das ist überhaupt nichts für mich.“ Bin ich dann trotzdem jetzt bei dir gut aufgehoben?

M:    Also ich hatte tatsächlich jetzt im ersten Durchlauf, hatte ich eine, für die war das ganz, ganz schräg und ganz schrecklich. Also die war ganz klassisch monogam und gegen ihren Partner, also „der muss jetzt leiden!“ Und quasi sie muss sich jetzt rächen, also wirklich ganz krass in diesem Treuekonzept verhaftet, und die erste Telefonkonferenz war dann auch eine Frage von einer anderen Teilnehmerin, die gesagt hat: „Ja, und wie mache ich das jetzt mit einer offenen Beziehung?“ Die ist schier aus allen Wolken gefallen. „Wenn hier jetzt nur Leute mit offenen Beziehungen …!“ Also die war wirklich richtig verbissen, und ich hatte dann mit der zwei Einzelcoachings dazwischen, um sie da abzuholen, wo sie steht, und auch zu sagen: „Was ist denn dein Ziel? Dein Ziel ist doch nicht, dass dein Partner jetzt leidet. Dein Ziel ist doch, dass ihr beide wieder glücklich werdet.“ Und ich konnte ihr auch ein paar Bilder an die Hand geben, wie sie damit besser klar kommen konnte. Und es geht auch gar nicht darum, dass die Menschen dann in eine offene Beziehung gehen. Never ever! Sondern wenn jemand eine Treuebeziehung möchte, ist das völlig okay! Nur, die mit Leichtigkeit und Gelassenheit anzugehen, macht halt viel mehr Spaß als mit diesem verbissenen „Wenn der nicht treu ist, dann sieht der die Kinder nie wieder!“ Das macht halt aus meiner Sicht keinen Sinn. Sondern dann zu sagen: „Okay, wir committen uns für eine Treuebeziehung. Und wenn einer von beiden halt dieses Committment bricht, dann gibt es natürlich Konsequenzen, wie auch immer die ausschauen mögen. Nur wenn ich mich entschieden habe, zu verzeihen, dann kann ich auch wieder das neue Committment treffen: „Wir leben ab sofort wieder eine Treuebeziehung.“ Nur diese Garantie gibt’s never ever. Und da auch ein Stück weit über dieses zu gehen: Wenn der auch wieder fremdgeht, du wirst es hinkriegen, es wieder irgendwie zu überleben, zu verkraften, mit irgendwelchen Konsequenzen dann dich auseinandersetzen zu müssen. Es ist halt einfach so. Es ist Leben.

S:      Das ist Leben, und ich glaube auch, ganz viel in diesem Zusammenhang hilft es auch, wirklich aus diesem Dramadreieck wieder auszusteigen. Ich habe es eh gesehen, du bringst das auch in deinem Kurs so lustig. An diese Telefonkonferenz kann ich mich erinnern, da habe ich nämlich teilgenommen bzw. ich habe sie nachgehört. Und das Interessante war, dass ja auch eine dabei war, die gesagt hat: „Also, für mich ist es eigentlich gar nicht mehr so vordringlich, meine Ex-Beziehung zu retten oder zu verstehen, was da passiert ist mit diesem Betrug. Ich mach diesen Kurs einfach nur noch mit, weil ich ihn so spannend finde.“ Das fand ich sehr schön, das ist ja auch ein schönes Feedback für dich. Also für alle da draußen, ihr findet alle Infos zu diesem Kurs natürlich dann auch in den Show-Notes und natürlich dann auch den Link zu Melanies Homepage und so weiter. Liebe Melanie, ich danke dir sehr, dass du heute da warst!

M:    Ja, ich danke dir!

S:      Das war sehr spannend, war sehr kurzweilig. Ich freu mich. Und vielleicht als Abschluss noch, Bert Hellinger sagt ja zu dem Thema Eifersucht – also so als Gedankeninput: „Deinen Mann verlierst du sowieso irgendwann, sei es an die nächste Frau, einen anderen Mann oder auch an das Leben – bis dahin kannst du ihn auch einfach genießen.“

M:    Genau. Ja, so sehe ich das auch.

S:      Ja, er hat schon manchmal wirklich gute Sachen auf dem Kasten. Liebe alle, ich freue mich, dass ihr zugehört habt. Liebe Melanie, danke nochmal, dass du bei uns dabei warst.

M:    Ich danke dir für die Einladung.

S:      Ich freue mich aufs nächste Mal – vielleicht machen wir nochmal was zum Thema Eifersucht, weil das kocht auch immer wieder hoch.

M:    Super, gerne.

S:      Wir werden sehen. Bis dahin: Alles Liebe! Tschüß!

M:    Ja, ciao!

 

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