Erkenne eine toxische Beziehung

Toxische Beziehung – Anzeichen, dass dich dein*e Partner*in krank macht

Diese Beziehung macht mich krank! Hast du dir auch schon mal gedacht oder noch besser gefühlt, dass du in einer Beziehung innerlich vor die Hunde gehst? Obwohl du am Anfang MEGA glücklich warst? IHR glücklich wart? Aber irgendwie war dann irgendwann nichts mehr so wie ausgemalt und statt einem Himmel voll Geigen bist du dir eher wie in der Hölle vorgekommen? Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit warst du da in einer toxischen Beziehung gefangen! Nicht immer ist einem selbst das klar, es bleibt nur das dumpfe Gefühl, dass trotz aller Liebe die Beziehung einfach nicht gut ist – in erster Linie für dich selbst. Lass uns also heute der toxischen Beziehung etwas auf die Spur kommen!

Merkmale einer toxischen Beziehung

Vorab – alles was ich hier schreibe, gilt für Männer wie Frauen gleich. Wenn du mir schon länger folgst, dann weißt du, dass einer meiner Schwerpunkte vor allem die Begleitung rund um narzisstische Beziehungen ist. Falls du ganz neu bei dem Thema bist, würde ich dir empfehlen, erst mal meine bisherigen Artikel zum Thema Narzissmus zu lesen. Gerade aufgrund dieses Schwerpunktes bin ich schon öfters zu Interviews gebeten worden und dabei fällt mir auf – in letzter Zeit wird eine toxische Beziehung immer gleichgesetzt mit einer narzisstischen Beziehung. Das kann so sein, – muss es aber nicht.

Was ist eine toxische Beziehung?

Toxisch ist nur ein anderes Wort für giftig. Eine toxische Beziehung ist eine Beziehung, die dich langsam aber sicher vergiftet und krank macht. Sie zieht dich in eine Negativspirale und führt dazu, dass es dir emotional und oft auch körperlich immer schlechter geht. Dabei muss keinen offensichtlichen (!) Missbrauch durch deine*n Partner*in geben, aber natürlich kann zB emotionaler Missbrauch, narzisstischer Missbrauch und sogar körperliche Misshandlungen stattfinden. Es gibt aber bis dato keine eindeutige Definition einer toxischen Beziehung.

Das wichtigste Merkmal einer toxischen Beziehung ist das Gefühl, dass du in dieser Beziehung krank wirst.

Und zwar seelisch und körperlich!

Und genau das macht es so schwer, sie zu erkennen, – da gibt es einen riesigen Graubereich. Denn toxische Partner laufen nun mal nicht mit einem Warnschild herum – und sie beginnen auch selten direkt mit ihrem toxischen Verhalten. Die Unterscheidung zwischen einer eigenen psychischen Erkrankung zB und einer externen Ursache (also toxischem Verhalten) für dein Krankwerden ist extrem schwierig. Wenn du da mal einen kleinen Einblick erhalten willst, kannst du dir auf Netflix „You, du wirst mich lieben“ ansehen… 1 Staffel, die ersten Folgen – und du wirst sehen, wie jemand ganz bewusst sein Opfer einspinnt …

Im echten Leben gibt es diese bewusst planenden und mordenden Partner zum Glück eher selten.

Eine toxische Beziehung erkennen – äußere und innere Merkmale

Eine toxische Beziehung erkennen – DAS ist der typische Ablauf

Gerade weil eine toxische Beziehung etwas sehr subjektives ist, ist es schwer einen Fragenkatalog zu erstellen, der für alle gültig ist. Vor allem für jene toxischen Beziehungen, die eigentlich zwischen zwei gar nicht toxischen Menschen zustande kommt – ja, das gibt es! Nachfolgend schildere ich dir aber mal den bilderbuchartigen Ablauf samt Symptomen, eine kurze Checkliste für eine toxische Beziehung.

  • Die Datingphase geht extrem schnell in eine Beziehung über! Du hast sehr früh in der Beziehung das Gefühl – DAS ist es. Du bist endlich angekommen. Alles scheint zu stimmen. Dein Gegenüber interessiert sich unfassbar intensiv für dich und du hast das Gefühl, noch nie jemanden getroffen zu haben, der so auf deiner Wellenlänge ist. Es scheint, als würde er/sie dir jeden Wunsch von den Augen ablesen. Du erlebst ein Gefühlshoch und meinst noch nie so geliebt zu haben wie jetzt.
  • Was du dabei nicht weißt, ist, dass der Abuser (Täter*in) dabei doppelt profitiert. Denn zum einen erfährt er/sie dabei ganz viel über dich, deine Wünsche, deine Ziele und auch deine Unsicherheiten, Ängste und Sorgen. Darauf kann er später zurückgreifen. Gleichzeitig lass uns mal ganz ehrlich sein, – wir alle sind unterversorgt mit ehrlicher Aufmerksamkeit. Wenn uns diese mal entgegenscheint, dann sind die meisten Menschen extrem dankbar und himmeln ihr Gegenüber dafür an. Du nicht auch? Und genau das ist ja auch ein schöner Effekt für den toxischen Partner, denn er erfährt dadurch eine narzisstische Zufuhr (auch wenn er kein Narzisst ist!).
  • Ihr plant rasch eine gemeinsame Zukunft, Urlaube, Feiern, später Garten, Hund, Haus, Kind etc – alles scheint möglich.
  • Stichwort Future Faking – wobei meiner Meinung nach das auch aus Sicht des toxischen Partners nicht unbedingt ein Fake sein muss. Ich meine viel eher, dass auch die toxischen Partner*innen sich ja genau das wünschen und in dem Moment auch wirklich glauben, was sie sagen!
  • Auch das „Ich liebe dich“ kommt sehr schnell. Überhaupt gibt es permanent Liebesbekundungen, vielleicht auch Blumen und Geschenke (je nach Typ), gemeinsame Fotos auf sozialen Netzwerken, die euch als DAS Paar zeigen. Love Bombing!
  • Es ist vielleicht sogar fast ein wenig zu schön, um wahr zu sein und deshalb bist du anfänglich noch etwas zurückhaltend. Doch irgendwann bist du dir sicher – du kannst vertrauen. Und du lässt dich ein. Und ab da wird alles anders.
merkmale toxische Beziehung
Die wichtigsten Merkmale einer toxischen Beziehung im Beziehungsverlauf

Denn bisher hat sich dein*e Partner*in ganz intensiv bemüht – und das beginnt sich nun ins Gegenteil zu verkehren.

  • Es beginnt eigentlich ganz schleichend. Es kommen kleine Bemerkungen, die man gar nicht so einordnen kann, aber trotzdem ein schlechtes Gefühl hinterlassen. Lies dazu unbedingt weiter unten mehr zur Täter-Opfer-Umkehr!
  • Die Abwärtsspirale beginnt: Dein Partner äußert hin und wieder abfällige Bemerkungen. Anfänglich nichts wirklich Schlimmes, Aussagen wie „Ach du immer mit deinem …“ – vielleicht noch verbunden mit einer wegwerfenden Handbewegung vielleicht zum Einstieg. Aber die mokanten und sarkastischen Aussagen häufen sich, beginnen langsam hinter verschlossenen Türen, aber werden dann auch schon vor Freunden gemacht. Und irgendwie schafft es dein Partner dabei immer sogar recht harmlos dabei rüber zu kommen und du weißt nicht so recht – es klingt wie ein Scherz auf deine Kosten, alle lachen – nur du fühlst dich zum heulen.
  • Wenn du versuchst, dich zu „wehren“, das aufzuklären oder eine Veränderung in eurer Kommunikation herzustellen, entstehen daraus endlose Diskussionen. In diesen Gesprächen ziehst du immer den/die Kürzere und es gibt keine Lösung. NIE.
  • Denn die Fehler und Schwachstellen in eurer (längst toxisch gewordenen) Beziehung liegen nur bei dir. Du bist an allem Schuld – und vermutlich Stellst du dich immer so an“
  • Du fühlst dich schlecht in der Beziehung. Immer. Sogar wenn du mit Freunden und Familie unterwegs bist und dein*e Partner*in gar nicht dabei ist.
  • Du ziehst dich immer mehr in dich zurück, Freunde und Familie sagen, dass du dich irgendwie verändert hast.
  • Dein Partner versteht dich nicht. Alle Gespräche enden mit Vorwürfen an dich und irgendwann hörst du auf zu reden, weil es sinnlos ist.
  • Passive Aggressivität. Dein*e Partner*in straft dich mit Schweigen und Liebesentzug.
  • Dein Partner versucht immer zu wissen, wo du bist, was du machst, die Kontrolle zu haben. Gleichzeitig hält er sich selbst bedeckt.
  • Du leistest die ganze Beziehungsarbeit. Und dein Partner gibt nichts.
  • Von den anfänglichen Plänen (Urlaub, Wohnung, Kinder etc) wird auf einmal nicht mehr gesprochen.
  • Dein Partner trifft keine klaren Aussagen und Entscheidungen. Außer bei Anderen – aber du und eure Beziehung hat keine Priorität.
  • Du hast immer mehr das Gefühl, dass DU falsch bist. Dein Partner überzeugt und verwirrt dich gleichermaßen, dass du manchmal schon glaubst, verrückt zu sein!
  • Dein Partner wird verbal aggressiv und beschimpft dich jetzt offen.
  • Dein Partner lügt. Selbst wenn du ihn dabei erwischt und damit konfrontierst, ändert sich nichts daran.
  • Dein Partner flirtet mit Anderen und/oder geht auch fremd.
  • „Du kannst dir ein Leben ohne mich gar nicht leisten, was kannst du schon“ Dein Partner übt neben psychischer auch finanzielle Gewalt über dich aus.
  • Dein Partner schlägt dich – physische Gewalt.

In der obigen Liste habe ich dir den typischen Verlauf einer toxischen Beziehung aufgezeigt. Nicht alle Merkmale treten immer gemeinsam auf, aber je mehr du darin deine jetzige Beziehung erkennen kannst, desto wahrscheinlicher bist du mit einem*r toxischen Partner*in zusammen.

Eines der wichtigsten Erkennungszeichen ist für mich jedoch das nachfolgend beschriebenen Muster – deshalb gehe ich auch sehr ausführlich darauf ein!

Typisch für toxische Beziehungen – die Schuldumkehr

In allen meinen Beratungen zu mehr oder weniger toxischen Beziehungen gibt es dasselbe Muster und Anzeichen. Der Abuser tut etwas (Täter), dass dich eigentlich zum Opfer macht. Wenn du es ansprichst (um dich selbst zu retten), schafft er es, dass ganze so umzudrehen, dass er plötzlich das Opfer ist. Ein Beispiel:

„Steht dir, die paar Kilo mehr“
Ist das jetzt ein Kompliment oder eine Beleidigung? Es lässt sich nicht genau einordnen. Und deswegen bist du auch total am Holzweg, wenn du versuchst es aufzuklären. Denn die Antwort wird immer sein „Was hast du denn? Ich habe doch gerade ein Kompliment gemacht? Nie bist du zufrieden, dann sage ich eben gar nichts mehr.“ Und plötzlich wirst DU dich in der Situation befinden, dass du dich entschuldigst und versuchst sie/ihn wieder zu versöhnen. Dabei war es doch gerade vorher noch umgekehrt !!! Für mich ist das ein perfektes Beispiel für eine Täter-Opfer-Umkehr.

Es ist unglaublich wichtig, dass du dieses Muster verstehst und erkennen kannst.

Manchen ist es vielleicht auch aus eigenen Fortbildungen schon als Drama-Dreieck bekannt. Ich habe es ganz bewusst in meinen Beratungen immer Täter-Opfer-Umkehr genannt, weil es damit viel plastischer wird, was eigentlich mit DIR passiert in dem Moment.

Oft fällt es meinen Klienten erst im Nachhinein auf, wie oft ihnen das passiert ist. Typisch dafür ist, dass du gar nicht verstehen kannst, wie du plötzlich in dieser Situation landen konntest, es fühlt sich oft wie Nebel im Kopf an.

Wann immer aus einer Verletzung, Kränkung etc. auf einmal nicht DU das Opfer bist, sondern dein Partner – bingo. Sowas kann dich regelrecht um den Verstand bringen, deshalb ist es mir so wichtig, dir das zu verdeutlichen.

Die Täter-Opfer-Umkehr ist ein toxisches Muster, um dich klein zu halten und zu verwirren!

Es ist leider übrigens völlig sinnlos, dass dem Abuser zu erklären – er wird nur wieder einen Weg finden, es auf dich zu schieben.

Eine toxische Beziehung erkennen – deine eigenen Warnsignale

Du fühlst dich krank, obwohl es keine körperliche Ursachen gibt

Oft sagen mir Klienten schon im Erstgespräch Sätze wie: Diese Beziehung macht mich krank. Ich habe überhaupt keine Kraft mehr. Ich bin total verzweifelt. Ich habe schon deutlich an Gewicht verloren. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Ich weiß ich muss hier raus, aber ich schaffe es nicht. Manchmal zweifle ich schon an meinem Verstand.

All das sind schon erste Hinweise für mich, dass eine toxische Beziehung vorliegen könnte. Wichtig dabei ist immer, die Gesamtsituation zu berücksichtigen und im Zweifel auch einen Arzt hinzuzuziehen, um eine körperliche Erkrankung auszuschließen.

Psychische Symptome einer toxischen Beziehung
  • Schlafstörungen
  • ständige Erschöpfung
  • extreme Konzentrationsschwierigkeiten
  • verminderte Arbeitsfähigkeit
  • Psychische Erschöpfung, die manchmal bis hin zur freiwilligen Einweisung in die psychiatrische Akutambulanz führen können.

Aber auch körperliche Erkrankungen sind typisch für toxische Beziehungen im weit entwickelten Stadium.

Körperliche Symptome einer toxischen Beziehung

Vor allem dann, wenn du nicht auf deine psychischen Alarmsignale hörst, entwickeln sich oft typische Krankheiten.

  • Appetitlosigkeit
  • Hautausschläge oder neurodermitische Schübe (Haut = Barriere nach außen),
  • wiederholte Blasenentzündungen (= kein Sex)
  • Schlafstörungen (durch die erhöhte Nervosität)
  • Magen-Darm-Probleme (weil du es emotional nicht verdauen kannst).
  • Das häufigste körperliche Symptom für mich ist eine totale Fahrigkeit in den Gesten und ein ganz eigenes Zittern, dass im Gespräch mit mir sofort auffällt.

Gibt es toxische Beziehungen zwischen 2 nicht toxischen Partnern?

JA ! Es gibt auch toxische Beziehungen, obwohl beide Partner mit den besten Absichten und an sich auch untoxischem Verhalten in eine Partnerschaft gestartet sind! Manchmal wird eine Beziehung toxisch, wenn

  • zwei völlig unterschiedliche Wertesysteme aufeinandertreffen und man eigentlich gar nicht zusammen passt, aber wegen der Anziehung dennoch versucht, die Beziehung aufrecht zu erhalten.
  • zwei völlig unterschiedliche Kommunikationssysteme vorherrschen. Beide Partner lieben sich und wollen auch miteinander, schaffen es aber nicht, ihre Sprachbarrieren zu überwinden.
  • die zwei Beteiligten eigentlich zwei unterschiedliche Dinge wollen (zB einer will eine Affäre, der andere will eine Beziehung) und keiner der Beiden die Kraft hat, entsprechend einen Schlussstrich zu ziehen.

Du kannst relativ gut erkennen, ob du in einer toxischen Beziehung bist, wenn BEIDE Partner unter den Umständen leiden und auch von beiden Seiten wiederholte Versuche stattfinden, eure Beziehung doch noch zu retten. Einen toxischen PARTNER hingegen erkennst du daran, dass ein totales Ungleichgewicht vorherrscht und nur DU immer mehr in der Beziehung verschwindest und immer kränker wirst, während dein*e toxische*r Partner*in äußerst stabil wirkt.

Toxische Beziehung Test – Ja oder Nein?

Um für dich selbst zu beurteilen, ob du in einer toxischen Beziehung bist, würde ich dir immer raten:

  • Geh den obigen Katalog an Merkmalen durch. Wie viele der typischen Anzeichen für toxisches Verhalten erkennst du ganz konkret bei euch? 1, 2 oder eher 5, 6?
  • Kommt dir vor allem die Täter-Opfer-Umkehr bekannt vor? Wie oft wird dieses Muster benutzt? Selten, öfters, häufig, ständig?
  • Vergiss nicht – ein toxischer Partner muss NICHT ein Narzisst sein! Toxische Beziehungen können mit praktisch jedem Menschen entstehen! Achte daher weniger auf die Eigenschaften deines Partners als vielmehr die Eigenschaften eurer Beziehung!
  • Am Besten legst du dir dafür ein kleines „Beziehungstagebuch“ an, in dem du einmal für 1 Woche lang alle Merkmale und Situationen jeweils pro Tag notierst. Du wirst überrascht sein, wenn du es dann schwarz auf weiss siehst!
  • Und am wichtigsten:

Hör auf dein Bauchgefühl. Ganz egal was andere oder sogar dein Partner sagen. Wenn du dich schlecht fühlst, ist das so. Du bist nicht verrückt. Nur verstrickt in einer giftigen Beziehung!

Ich hoffe sehr, dass dir der heutige Blog erst mal weitergeholfen hat. Bitte denk immer daran, – gerade bei toxischen Beziehungen verliert man schnell das Gefühl für Richtig und Falsch und dafür, was du jetzt tun kannst. Dabei kann ich dir immer gerne helfen – jede einzelne Stunde, die du in dich investierst, wird sich dreifach lohnen. Der schnellste Beratungseinstieg ist das vergünstigte Erstgespräch, alle Infos findest du hier!

Bis Bald, ganz viel Herz & Mut!

Deine Sabine

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