Vertrauen aufbauen in 5 Schritten

Vor kurzem habe ich eine Emailanfrage bekommen, die im Kern folgende Frage enthielt:

Wie öffne ich mich jemanden anderen gegenüber? Was genau mache ich, wenn man sich für jemanden öffnet? Wie kann ich Vertrauen aufbauen?

Im ersten Augenblick dachte ich mir, da bin ich komplett die falsche Ansprechperson, ich versteh ja nicht mal die Frage. Für mich ist das ungefähr so als würdest du einen Fisch fragen, wie schwimmen geht. Mein Thema ist ja viel eher, wie verschließe ich mich auch mal anderen Menschen gegenüber? Das ist nämlich eine echte Herausforderung für mich und ich hab keine Ahnung wie das geht. Gut, ich hab natürlich trotzdem drüber nachgedacht und mir überlegt, wie ich das denn wirklich so mache, mich für andere Menschen zu öffnen, genauso wie für die Liebe, Beziehungen uä.

Im Kern geht es mir heute darum, wie man Vertrauen aufbauen kann und damit auch eine Beziehung. Connection ist schon seit längerer Zeit ein immens wichtiges „Schlagwort“ für mich geworden, auch wenn das Thema „Verbindung“ bei uns noch nicht solche Verbreitung gefunden hat.  Verbindung klappt aber nur mit Vertrauen. Also wie kann man zu anderen Menschen Vertrauen aufbauen und eine wirklich tiefe Verbindung herstellen? Ich hab folgende „Schritte“ bei mir dazu gefunden:

Ist einleitend wohl ein bisschen eine Nona-Feststellung, aber klarerweise musst du den Menschen erst mal irgendwo kennen gelernt haben. Im Bus, an der Kasse, bei der Arbeit oder auf Tinder. Völlig egal wo.

Ihr solltet schon mal wissen, dass es euch überhaupt gibt.

Ok? Dann geht es los mit den 5 Schritten.

  1. Es gab wohl – bewusst oder unbewusst – mal die Entscheidung, dass ich grundsätzlich offen sein möchte. Ich bin zwar vermutlich einfach so erzogen worden, aber ich merke immer wieder, dass bei den ganz wenigen Ausnahmen, wo ich etwas für mich behalten möchte, ich auch wirklich ins Schleudern komme mit der Frage, wem hab ich jetzt was und in welchem Detail erzählt? Ich hasse sowas, macht mein Leben nur kompliziert, also ist Offen sein wesentlich leichter für mich als umgekehrt.

    Wenn du Vertrauen aufbauen willst, musst du also erstmal für dich selbst klarhaben, dass du das willst und was das für dich bedeutet.

  2. Ich hab nix zu verbergen. Ich steh zu den Dingen die ich sage und tue, was nicht heißt dass ich nicht dennoch manchmal Jahre später selbst finde, dass das ein Blödsinn war 😉 Ich finde das ist ein wesentlicher Faktor beim sich öffnen – kann man zu dem stehen, was man sagt, denkt und tut? Ja? Dann gibt es ja gar keinen Grund dafür, mit irgendwas hinterm Berg zu halten.
    Der Vorteil davon ist auch, dass die Menschen merken: ich hab etwas zu erzählen und mach das auch gerne. Das heißt, ich gebe in einer Beziehung auch etwas von mir weiter.

    Wenn du Vertrauen aufbauen willst, dann ziehe dein Gegenüber auch ins Vertrauen und erzähle von dir!

  3. Ich hab grundsätzlich Interesse an anderen Menschen. Ich hab als Kind schon allen Löcher in den Bauch gefragt und finde auch jetzt wirklich bei jedem Thema eine Frage, die mich interessiert. Du baust Lifte? Cool, können die jetzt wirklich abstürzen oder nicht? Du züchtest Schweine? Interessant, also wie ist das jetzt  mit der Massentierhaltung? Du designst Hüte? Wow, wie kommt man auf die Idee? Supercool war da Josh – ein Rucksacktouri den ich auf Bali kennen gelernt habe. Er war Masterblaster – Sprengmeister. Einer der interessantesten Abende seit langem nur mit der Frage, wofür man das braucht, verbracht. 😉

    Was ich damit sagen will – ich zeige Interesse und zwar nicht nur auf Smalltalk-Ebene, sondern jedes Mal wenn ich jemanden treffe überlege ich, was ich schon immer aus diesem „Eck“ wissen wollte. Dieses Interesse zeigen und mit Fragen wirklich auf mein Gegenüber eingehen zeigt umgekehrt – ich kann in einer Beziehung auch etwas von meinem Gegenüber annehmen, ich suche sogar danach.

    Wenn du Vertrauen aufbauen willst, zeige deinem Gegenüber, dass du ehrliches Interesse hast!

  4. Das klappt super, solang Geben und Nehmen (halbwegs) ausgeglichen ist. Wenn ich so drüber nachdenke habe ich mich immer wieder von Menschen distanziert, die nur ihre eigenen Geschichten 3 Stunden lang ausgebreitet haben und dann 30 Minuten für mich übrig hatten. Es hat also auch etwas mit Balance zu tun, wobei ich das jetzt nicht pro Abend auf die Waagschale lege, aber über einen längeren Zeitraum merkt man sowas ganz gut.

    Wenn du Vertrauen aufbauen willst, achte auf Ausgeglichenheit zwischen euren Gesprächszeiten!

  5. Das Gleiche gilt übrigens auch für Punkt aktiv den Kontakt suchen. Ich bin immer davon ausgegangen, dass wen ich jemanden neu kennen lerne und eine Freundschaft und Vertrauen aufbauen möchte, dann muss ich mich erst mal dahinter klemmen und die ersten 2-3 Mal vielleicht selbst immer die Initiative ergreifen, bevor ich eine Ausgewogenheit erwarten darf. Manchmal dauerts auch ein wenig, bis das Gegenüber merkt, dass man wirklich Interesse an weiterem Kontakt hat. Es macht wenig Sinn, da von Anfang an auf eine Ausgewogenheit zu achten meiner Meinung nach. Nach einer gewissen Zeit kommt dann eh so ein „Bauchgefühl“, dass es jetzt doch zu einseitig wird. Wenn ich dann noch immer ich die einzige bin, die sich hier engagiert, dann hör ich einfach damit auf und akzeptiere, dass das eben keine engere Freundschaft wird.

    Ich erinnere mich an eine Freundin, die ich immer kontaktiert habe, bis es mir zu blöd wurde und ich es einfach gelassen habe, weil wirklich nie ein Anruf von ihrer Seite kam. Nach fast 1 Jahr schrieb sie mir auf Facebook und fragte wie es mir geht. Das hab ich zum Anlass genommen und das angesprochen und ihre Antwort war sehr überraschend für mich: Sie meinte, sie konnte sich nicht vorstellen, dass ich wirklich Interesse an ihrer Freundschaft habe und wollte mir nicht zur Last fallen, deshalb habe sie nie angerufen. In meinem Weltbild ist das völlig irre, wieso sonst hätt ich mich sonst immer wieder melden sollen? Was lernen wir daraus? Seitdem spreche ich es an, wenn ich das Gefühl habe, dass der Kontakt zu einseitig gehalten wird. 🙂

    Wenn du Vertrauen aufbauen willst, sei auch bereit dafür in Vorleistung zu gehen und mach öfters mal den ersten Schritt!

Trotz all dieser Schritte entsteht manchmal trotzdem keine Beziehung, egal in welcher Form. Meist erkennt man das rein faktisch daran, dass sich der oder die Andere einfach nicht von sich aus meldet und nur reagiert statt agiert – wenn überhaupt. Ich hab ja oben schon geschrieben, dass ich da am Anfang immer von einer Bringschuld meinerseits ausgehe und mich gern anfänglich mal mehr reinhänge. Wenn aber länger nichts kommt, lass ich es dann auch bleiben. Eigeninitiative des Anderen ist also ein gutes Zeichen dafür zu erkennen, ob hier auf beiden Seiten Interesse an einer gemeinsamen Beziehung (in welcher Form auch immer, auch Freundschaft ist eine Form von Beziehung) besteht.

Woran ich noch erkenne, dass ich gerade dabei bin, eine gute vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, ist auch mein Bauchgefühl. Ich hab wirklich lang überlegt aber ich finde keine bessere Beschreibung. Es ist ähnlich wie beim Sport, wenn man nach dem Laufen zB ein „Flow-Gefühl“ hat, so erlebe ich das auch bei Gesprächen mit Menschen. Bei manchen plaudert man einfach nur so dahin und das ist fein. Bei manchen flutscht es richtig, macht viel Spaß und ich kann die Verbindung regelrecht spüren. Und mit manchen ist es einfach nur holprig und mühsam. Meiner Erfahrung nach wird es mit den Letztgenannten zumindest bei mir auch nicht besser. 😉

Vertrauen aufbauen und Hochsensibilität:

Und hier kommt ein Extra-Einschub für Hochsensible. Gerade dieses Spüren einer Verbindung ist bei hochsensiblen Menschen leicht unterbrochen bzw stellt sich eben nicht oft ein. Ich für mich habe schon festgestellt, dass dieses extreme Spüren von Verbindung und Beziehung fast ausschließlich nur  mit anderen HSP möglich ist. Ich weiß nicht woran das liegt, aber wer sich näher mit dem Thema beschäftigt hat, hat vielleicht schon erkannt: Das Gefühl fehlender Verbindung ist ein (für mich) Extrem-Merkmal von Hochsensiblen. Vielleicht ist es auch besser beschrieben mit dem Gefühl, dass nur einseitig eine Verbindung da ist und einem selbst nicht die entsprechende Zuneigung entgegen gebracht wird von der anderen Seite. Das liegt meiner Meinung nach aber daran, dass eben Nicht-HSP auch im wahrsten Sinne des Wortes auf einer anderen Frequenz schwingen und sich deshalb Übereinstimmung und Flow eher selten einstellen.
Ich hab auch schon festgestellt, dass ich mir in manchen Beziehungen nicht ausreichend geliebt/wertgeschätzt vorgekommen bin und dann anhand von Kleinigkeiten festgestellt habe: stimmt nicht. Mein Gegenüber hat mich genauso gern wie ich ihn – nur kann ich es nicht so spüren.
Wenn du also HSP bist und mit einem oder mehreren Menschen in deiner Umgebung haderst und das Gefühl von fehlender Verbindung hast, frag dich mal, ob es nicht damit zusammenhängen kann.

 

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Hallo Sabine…
Bitte um Rat….weis nicht wie ich handeln soll……via Partner Platform kennengelernd, er hat sich verliebt, lebt
in ausland und in Deutschland , möchte mich aber Ende dieser Monat in real treffen. Wir sind seit 5Tage intensive in Kontakt via den mail,, gestern zum ersten mal via Skype.. ein ganz interessantes und nettes Gespräch, wir haben uns gesehen, und alles hat gepasst wie er es mir geschrieben hat. Heute dan unterstehende mail…
Bitte um deine Rat…was soll ich denn machen.. es hat mich ja auch erwischt, Gefühle für dieser Mann zu entwickeln..
Vielen Dank,
Jantje.

Also,
es ist ganz schrecklich, mein Verlangen nach Dir ist einfach zu gross,
meine Träume unerträglich, quälen mich und machen mich sehr unglücklich.
Du löst in mir ein Verlangen nach Erotik und Sexualität aus, was nicht normal ist.

Es geht doch nicht ,das ich anfange Rumzufummeln,
weil mein Verlangen nach Dir grenzenlos ist.
Ich glaube das es daher besser ist, den Kontakt nicht so intensiv und innig
zu unterhalten.
Bitte, bitte versteh mich, das ist ja schon fast triebhaft, das kenne ich nicht.
Verstehst Du mich.? Auch unsere Telefonunterhaltung hat das noch verschlimmert.
Versteh mich bitte liebste Jantje

Antworten

    Liebe Jantje,
    ich fürchte ehrlich gesagt wirst du da wenig machen können – wenn er das für sich als „schlimm“ bewertet und es in seiner welt nicht sein darf, dass er seinen flirt auch erotisch anziehend findet, dann wirst du ihm das wenig ausreden können. du könntest ihm maximal entgegenkommen im sinne von dass es dir ja ähnlich geht und du ihn auch heiß findest – was ist so schlimm dran? solange er im realen leben nicht über dich herfällt (außer du willst das natürlich;-)) sind seine gedanken ja frei… ich fürchte allerdings, dass ihn das nicht erreichen bzw nicht zu ihm durchdringen wird.

    Antworten

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